Battlefield 3: Die Hitze des Gefechts

Battlefield 3: Die Hitze des Gefechts

Branchenriese Electronic Arts will die Shooter-Spitzenposition auf dem Softwaremarkt und kann sie mit Battlefield 3 tatsächlich erreichen. Spielmechanik und Inszenierung in der Solokampagne sind grandios. Die endgültige Entscheidung fällt im Mehrspielermodus. Unser Reporter hat das Spiel getestet.



Die Marketingmaschine läuft seit Monaten auf Hochtouren: Battlefield 3 soll die Vormachtstellung der Konkurrenzserie Modern Warfare aus dem Hause Activision, deren dritter Teil am 8. November erscheint, endgültig brechen. Electronic Arts wollte einen Shooter produzieren, dessen Inszenierung präziser, atmosphärisch dichter und realistischer ist als Activisions Weltuntergangsfantasien. Einen Shooter, der grafisch und inhaltlich fesselt und auch einfach mehr Spaß macht. Doch als erstes fällt dem Spieler auf, das die Story sich desselben Kniffes bedient wie Activisions Call of Duty: Black Ops aus 2010: Ein Soldat wird verhört, offenbar von einer Regierungsbehörde, und berichtet von den Einsätzen, die der Spieler dann aus der Ichperspektive erlebt.

Doch diese Parallele ist nicht spielentscheidend. Die Story um Henry Blackburn, Sergeant einer Elite-Aufklärungseinheit der US Marines, bestimmt nicht die Qualität und mit Sicherheit auch nicht den Erfolg dieses Titels. Die wesentlich wichtigeren Fragen lauten: Wie fühlt er sich an? Was sieht und hört der Spieler, was erlebt er, wie wird er motiviert und gefordert? In diesen Disziplinen wird schon früh nach dem Spielstart klar, dass Battlefield 3 tatsächlich außerordentlich gut ist, an manchen Stellen sogar grandios.

Die Frostbite 2 Engine als grafische Basis ist optisch und akustisch eine Wucht. Battlefield 3 schickt den Spieler in den Kampf gegen den Terror. Ob dieser Kampf sinnvoll und moralisch vertretbar ist, stellt Sergeant Blackburn nicht in Frage. Er befolgt Befehle und hofft, dass derjenige, der sie gibt, weiß, was er tut. In Teheran wird Blackburns Vierertrupp ins Gefecht geschickt, und sofort wird der Spieler Teil einer kinoreifen Inszenierung. Schusswechsel, Häuserkampf, die Gefahr durch einen Scharfschützen, anrollende Panzer, pfeifende Kugeln und Explosionen - Battlefield 3 zeigt das heute machbare grafische und akustische Maximum auf den High-End-Konsolen. Der TV-Test läuft auf einer Xbox 360 mit installierten High-Definition-Texturen.

Die Spielmechanik ist jedem Shooter-Fan vertraut. Umgebung analysieren, Deckungspunkte suchen, vorrücken, Gegner ausschalten. Doch schon früh im Spiel verändert das schwedische Entwicklerstudio Dice den Rhythmus, und der Spieler findet sich als RIO (Radar Intercept Officer) eines Kampfjets auf dem Platz hinter dem Piloten wieder, muss Raketen mit Täuschkörpern abwehren und die Gegner ins Ziel nehmen. Die Optik und vor allem die Funkverkehr - hier ist das englische Original absolute Pflicht - sind ultrarealistisch und faszinierend. Der Spieler hat genug Zeit, all das zu bewundern, denn an dieser Stelle bleibt das Spiel wahrscheinlich bewusst sehr leicht.

Der Schwierigkeitsgrad ist generell moderat. Wer auf "Easy" mit eingeschalteter Zielhilfe spielt, spaziert mühelos durch alle Levels. Erst auf "Hard" ist jeder Meter hart umkämpft und ein Spielerleben sehr schnell vorbei. Wer diese Herausforderung sucht, braucht Frustreststenz. Alle anderen spielen auf "Normal".

Die Solokampagne dauert etwa acht Stunden und hat ihren dramatischen Höhepunkt schon im ersten Spieldrittel in Paris - auch hier ist die Parallele zu Modern Warfare klar erkennbar, als die schlimmsten Befürchtungen wahr werden und die Katastrophe viel Adrenalin freisetzt. Battlefield 3 bringt hier alles mit, was man heute von einem aufwendig produzierten Shooter erwartet. Grafisch und akustisch schlägt er dank Frostbite 2 die Konkurrenzprodukte Call of Duty: Black Ops und Modern Warfare 2 klar. Ob Modern Warfare 3 am 8. November einen Wechsel an der Tabellenspitze einleitet, wird man abwarten müssen.

Und hier fällt die endgültige Entscheidung im Multiplayermodus. Hier hat die Battlefield-Reihe auch ihren Ursprung. Battlefield 3 stellt anspruchsvolle Karten für bis zu 64 Spieler zur Verfügung. Spieler können sich online zu Squads zusammenschließen, in denen jeder, einer realen Spezialeinheit entsprechend, eine bestimmte Aufgabe übernimmt.

Neu in Battlefield 3 ist der so Koop-Modus. Hier sind zwei Spieler via Internet verbunden und bestreiten gemeinsame Missionen. Die einzelnen Level lehnen sich an das Design der Einzelspieler Kampagne an. Auf insgesamt sechs Karten ist der Koop Modus verfügbar. Jedes Mission wird ca. 25 bis 45 Minuten dauern. Freunde können sich gezielt zum gemeinsamen Spielen verabreden oder man sucht sich einen zufälligen Partner über das Internet.

Der Kampf um die Spitzenposition im Shootergenre läuft. Weltweit warten die Fans mit enormer Spannung auf den 8. November. Bisheriges Fazit: Battlefield 3 wird nur sehr schwer zu schlagen sein.

Battlefield 3: Entwickelt von Dice (Stockholm), veröffentlich von Electronic Arts. Frei ab 18 Jahren. Erschienen für Xbox 360, Playstation 3, PC.

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