1. Magazin
  2. Multimedia

Bürger bloggen für Bürger

Bürger bloggen für Bürger

TRIER. Rund ein Monat nach Eröffnung der TV-Weblogs haben sich bereits über 100 Schreiblustige angemeldet. Die virtuellen Tagebücher warten mit interessanten Meinungen und Einblicken in Gemeinden und Stadtteile auf.

Wer hinter dem Begriff Weblogs nur die Tagebücher mitteilsamer Plaudertaschen vermutet, wird in den TV-Weblogs eines Besseren belehrt. So stellt etwa der Blogger Wittlicherbaer zur Umbenennungseuphorie in den Kreisen Daun und Bitburg-Prüm fest: "Noch erstaunlicher ist allerdings die Energie, welche unsere kommunalen Vertreter in Projekte stecken, an deren Sinnhaftigkeit und Dauerhaftigkeit man zweifeln kann. Wenn wir also sonst nichts zu tun haben, überlegen wir uns, ob wir nicht mal unseren Kreis umbenennen sollen. (...) Die Frage nach vielleicht wichtigeren Dingen lassen wir einfach mal galant außen vor."Einträge wie diese zu lokalpolitischen Themen finden sich in den TV-Weblogs immer häufiger. Für die Nutzer ergibt sich dadurch die Möglichkeit, Dampf abzulassen und mit anderen über heikle Themen vor der Haustür zu diskutieren. So hat TV-Redakteur Hans-Peter Linz in seinem Blog http://tiefenschaerfe.blog.intrinet.de eine Debatte über die verschärfte Parkraumsituation im Paulinviertel, insbesondere bei Fußballspielen, angestoßen. Prompt kommentierte eine Betroffene: "Eine echte Katastrophe, wie sich die Parkplatz-Suche im Viertel entwickelt. Es muss dringend etwas getan werden."

Was zunächst in den USA in den vergangenen Jahren zahlreiche Anhänger gefunden hat, scheint auch hier zu Lande zu greifen: Bürger bloggen für Bürger. Ein Phänomen, das auch Wissenschaftler beobachten. "Es gibt viele Beispiele, bei denen Menschen in ihren Weblogs über ihre Region oder Stadt berichten und ihre Meinung zu lokalen und regionalen Themen veröffentlichen. Im Grunde genommen tun sie also das, was Journalisten auch tun - natürlich subjektiver, direkter und in einem freieren Schreibstil", sagt Steffen Büffel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Uni Trier. Büffel, der das TV-Blog-Projekt wissenschaftlich begleitet, hält es für möglich, "dass eine neue Form der öffentlichen Meinungsbildung möglich wird, vorausgesetzt, es machen genügend mit".

Auch die Vereine haben die Vorzüge des Bloggens entdeckt. So konnten sich Fans jüngst im Live-Ticker des Miezen-Blogs unter http://freiwurf.tv.blog.intrinet.de auch über die vier beteiligten Trierer Handballerinnen bei der WM in Sankt Petersburg informieren. Auch die Basketballer des TBB Trier berichten unter http://tbbtrier.blog.intrinet.de über das Vereinsleben.

Fotos und Eindrücke von der Party oder dem Ski-Urlaub lassen sich schnell per MMS mit dem Handy ins Party- oder Urlaubsblog ( www.intrinet.de/weblogs) senden.

Und auch das ist neu: Ab morgen erfahren TV-Leser im Blog http://blattkritik.blog.intrinet.de, wie die Redaktionskonferenz das aktuelle Blatt beurteilt. Kommentare der Leser sind willkommen.