Bulletstorm: Wahnwitziges Inferno

Bulletstorm: Wahnwitziges Inferno

Der Weg ist das Ziel. Übertragen auf die Mechanik eines Shooters müsste dieses Motto lauten: Ballern, Chaos und Inferno führen nicht zum Ziel des Spieles - sie SIND das Ziel. Bulletstorm ist ein von großkalibrigen Waffen inszeniertes Ballet der größmöglichen Zerstörung, das alle Klischees des Action-Kinos grandios überzeichnet und parodiert. Ein echter Hit, könnte man meinen - bis man die gnadenlos zensierte und entschärfte deutsche Fassung sieht, die von der Parodie kaum etwas übrig lässt.

Stygia - schon der Name klingt nach Ärger. Stygia ist ein Planet, auf dem ein Söldnertrupp notlandet und dann feststellen muss, dass diese Welt von irren Mutanten, Freaks und fleischfressenden Pflanzen bevölkert wird. Der Gedanke an friedliche Koexistenz, Diplomatie oder generell eine gewaltfreie Lösung des Problems ist wie immer völlig absurd, deshalb sprechen die Waffen.

In Bulletstorm soll der Spieler allerdings nicht einfach nur schießen. Er soll die Gefechte stattdessen wie ein Ballet der Zerstörung inszenieren. Die verschiedenen Schusswaffen und Interaktionsmöglichkeiten mit der lebensfeindlichen Umgebung lassen Eliminierungen zu, die wesentlich aufwendiger und optisch eindrucksvoller sind als ein simpler Schuss. So kann der Spieler den Gegner zuerst mit einem ordentlichen Tritt empfangen, ihm anschließend ein paar Granaten anhängen und ihn dann in Richtung einer fleischfressenden Pflanze bugsieren. Bulletstorm verteilt Punkte für jede Eliminierung, und eine Aktion wie die eben beschriebene bringt eine hohe dreistellige Punktzahl. Ein simpler Blattschuss dagegen ist nur schlappe zehn Punkte wert. Diese Punkte sind übrigens die Währung, mit der man seine Waffen aufrüstet.

Das alles hört sich an wie der endgültige Beweis konservativer Politikerkreise, Shooter drehen sich nur und wirklich nur um brutalstmögliche Gewaltanwendung und belohnen diese auch noch. Nun ja, Bulletstorm tut tatsächlich genau das. Aber alle Bestandteile dieses Spiels von den skurrilen Charakteren über die bescheuerten Dialoge bis zur chaotische Spielwelt vereinigen sich zu einer gelungenen Parodie, die es unmöglich macht, das abgebildete Inferno ernst zu nehmen.

Bulletstorm ist stattdessen eine Satire - in der ungeschnittenen Originalfassung. In der deutschen Version wurde die parodierte Gewalt fast vollständig entfernt. So kommt die vom Spieler gesteuerte Figur irgendwann an ein paar Metallkäfigen vorbei und sagt Dinge wie: "Mein Gott. Welche eine Grausamkeit. Wer hat das getan? Ich fasse es nicht." Der Spieler hat keine Ahnung, worum es geht, denn in der deutschen Fassung sind die Käfige leer. Eine von vielen Entschärfungen. Wer Bulletstorms Wahnwitz erleben will, muss zur Originalfassung greifen. Jörg Pistorius

Bulletstorm: Publisher Electronic Arts, Entwickler People Can Fly. Erschienen für PC, Xbox 360 und Playstation 3. Frei ab 18 Jahren.