Das soziale Netz

TRIER. (r.g.) "Bloggen ist Dialog", sagt der Trierer Medienwissenschaftler Steffen Büffel, der erklärt, worin die grundlegenden Unterschiede zu anderen Kommunikationsformen bestehen.

"Das Besondere an Weblogs ist ihre Vernetzung und die einfache Bedienbarkeit", begründet der Trierer Medienwissenschaftler Steffen Büffel, warum sich Weblogs von anderen Kommunikationsformen im Web unterscheiden. Zwar fänden sich in Weblogs Elemente wieder, die man vom Chatten und aus Foren kennt, aber "Kommunikation über Weblogs verläuft grundlegend anders. Sie findet nicht an einem zentralen Ort statt, sondern - vernetzt - in vielen Weblogs." Entscheidend beim Bloggen sei deswegen neben der technischen die soziale Vernetzung der Blogger. "Für den Teenie, der im Internet sein Tagebuch führt, besteht das soziale Netz vielleicht nur aus ein paar Freunden, andere Blogger haben 1000 und mehr Leser." Ganz gleich, ob es eine Handvoll oder viele Besucher sind: "Alle können sich einmischen und mitreden." Die Blogosphäre hat dadurch auch immer etwas Soziales. Behauptungen, Blogger seien isolierte Computerfreaks, hält Büffel deshalb "für ein Ammenmärchen".Dabei sei die Art der Kommunikation durchaus gewöhnungsbedürftig. "Man kann sich das so vorstellen: Man kommt verspätet zu einer Party und weiß zunächst nicht, worüber die anderen reden. Man hört erstmal zu und irgendwann kommt die Stelle, an der man sich einklinken kann." So funktioniert nach Auffassung von Büffel auch der Einstieg in die Weblog-Kommunikation. Anfängern empfiehlt er daher, sich in anderen Weblogs umzuschauen und Kommentare zu schreiben.

"Beim Bloggen sollte man authentisch rüberkommen, einfach, aber interessant schreiben", rät Büffel. Er stellt fest, dass Firmen oder Politiker, die anfangen zu bloggen, damit noch Probleme haben. "Sie nutzen Weblogs meist als Ausspielkanal für Pressemitteilungen. So funktioniert Bloggen aber nicht. Bloggen ist Dialog!", stellt Büffel klar.

Für ihn als Medienwissenschaftler ist auch die Frage interessant, inwieweit Bloggen Journalismus ist. Beispiele wie die Tsunami-Weblogs oder die Weblogs zu den Attentaten in London hätten zumindest gezeigt, dass Weblogs die Krisenkommunikation sehr viel schneller organisieren können. Insgesamt sieht Büffel Weblogs als eine Ergänzung zum Journalismus und als Chance für eine neue Form von Bürgerjournalismus.

Gut findet er deshalb das Projekt des Trierischen Volksfreunds: "Das Medienhaus stellt die Plattform zur Verfügung und lässt den Leuten freie Hand."

Steffen Büffel führt ein eigenes Weblog unter www.media-ocean.de.