Der Fall Böhmermann

Im März 2016 sorgte ein Gedicht von Jan Böhmermann über den türkischen Präsidenten Erdogan für Aufruhr.

Daun. Der deutsche Satiriker veröffentlichte das Gedicht "Schmähkritik" in der satirischen Late-Night-Show "Neo Magazin Royale". Nach eigenen Angaben bestand seine Absicht darin, zu veranschaulichen, wann Spott die Grenze der Satirefreiheit überschreite und strafbar sein könne. Anlass dafür war Erdogans Reaktion auf ein vorheriges Spottlied. Dieser ließ den deutschen Botschafter einbestellen und forderte die Löschung des Liedes. Reaktionen in Politik und Presse waren einerseits Kritik an dem Gedicht, andererseits aber auch Kritik an der gemeinsamen Bewertung durch Angela Merkel und Erdogan sowie Anerkennung für ein Spiel Böhmermanns mit den Grenzen von Satire.
Außerdem folgte ein Vorwurf der Selbstzensur, da der Beitrag aus der Mediathek des ZDF entfernt wurde. Am 6. April leitete die Staatsanwaltschaft Mainz ein Ermittlungsverfahren gegen Böhmermann ein, da der Verdacht der Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten bestand. Erdogan stellte bei der Staatsanwaltschaft Mainz am 11. April einen Strafantrag gegen Böhmermann wegen Beleidigung. Am 15. April gab die Bundesregierung die Ermächtigung zu einem Strafverfahren, allerdings soll § 103 des Strafgesetzbuches bis 2018 abgeschafft werden, da dieser für die Zukunft entbehrlich sei.
Das Schmähgedicht war jedoch nicht der einzige Fall eines satirischen Beitrags seitens Böhmermann und einer damit verbundenen Anklage. 2005 bekam er aufgrund einer Parodie, nämlich die Hörfunkunterhaltungsreihe "Lukas‘ Tagebuch", eine Anklage durch den Fußballspieler Lukas Podolski, die jedoch scheiterte. Im Oktober 2013 gab es Kritik, da er in der Sendung "16 Mal Deutschland" durch eine dokumentarisch wirkende Satire Publikum und Mitwirkende verschaukelte.
Allerdings hatte er mit seiner Satire auch schon großen Erfolg. Für die Satire um den ausgestreckten Mittelfinger des damaligen Finanzministers von Griechenland Yanis Varoufakis bekam er sogar den Grimme-Preis. Viele Kommentatoren bezeichneten diese als "geniale Mediensatire". Ein Taz-Journalist nannte Böhmermann aufgrund eines durch diesen ausgelösten Shit storms gegen einen Fotografen jedoch einen "provokanten Seiltänzer auf dem schmalen Grat zur Kriegserklärung".
Isabelle Bartsch, Klasse 9b