Die Fledermaus im Irrenhaus: Batman Arkham City im Volksfreund-Test

Die Fledermaus im Irrenhaus: Batman Arkham City im Volksfreund-Test

Batman: Arkham Asylum war 2009 eine angenehme Überraschung mit einer starken Inszenierung, einem guten Kampfsystem und vor allem einem überzeugenden düsteren Batman in der Hauptrolle. Die Fortsetzung heißt Batman: Arkham City und ist für manche meiner Kollegen von der Testerfront das beste Spiel dieser Generation. Und ja, auch ich bin begeistert.

Batman: Arkham City. Foto: Hersteller

Die Gefahr ist da: Auch der Psychopath Batman kann zur Witzfigur werden, die im Film von George Clooney gespielt wird und gegen Arnold Schwarzenegger als Mr. Freeze kämpft. So geschehen in der popbunten Katastrophe Batman and Robin. Doch es geht eben auch anders. Was Christopher Nolan in den beiden großartigen Filmen Batman begins und The Dark Knight im Kino gelungen ist, schafften die Rocksteady Studios 2009 mit Batman: Arkham Asylum; Der Actiontitel zeigte die Figur Batman so, wie sie ihr Erschaffer Bob Cane damals im Kopf hatte und wie sie in Nolans Filmen zu sehen ist: als zwar schier übermenschlich starken und intelligenten Verbrecherjäger, aber auch als schwer traumatisierten und psychisch labilen Vigilanten. Dazu kamen ein neuartiges und motivierendes Kampfsystem, eine gute Inszenierung und mit dem Arkham Asylum, dem Hochsicherheitsirrenhaus für übermenschlich gefährliche Massenmörder wie dem Joker, eine wirklich finstere und faszinierende Umgebung. All das bringt auch Arkham City mit. Nur größer, besser und faszinierender.

Wer noch nie von Batman gehört hat, muss folgendes wissen: Er ist ein Mensch, der als Junge mitansah, wie ein Straßenräuber seine Eltern erschoss. Das brach seine Psyche und machte ihn zum Verbrecherjäger. Das enorme Vermögen seines Vaters erlaubte es ihm, von den Besten zu lernen und so zum meisterhaften Nahkämpfer, Taktiker, Akrobaten, Kriminologen und Detektiv zu werden. Seine Waffe ist die Furcht. Doch wenn man auf ihn schießt und ihn trifft, ist er tot. Er selbst schwor, nie zu töten, und nutzt konsequenterweise keine Schusswaffen, sondern jede Menge technischer Gadgets sowie seine Fäuste und Füße. Sein Revier ist die finstere Metropole Gotham City, eine schwarze Karikatur von New York voller Psychopathen, Killer und grotesker Kreaturen.

Auch mit diesem kurzen und knappen Wissensstand hat der Spieler aufgrund einer starken Inszenierung und eines großartigen Gameplays jede Menge Spaß mit Arkham City. Fans der Comicfigur sind natürlich noch enger an der Story und den handelnden Personen dran und werden die enorm dichte Atmosphäre noch mehr genießen können.

Die Story knüpft direkt an den Vorgänger Arkham Asylum an: Da die Irrenanstalt im ersten Spiel 2009 teilweise zerstört wurde, ist jetzt ein kompletter Stadtteil von Gotham in eine abgeriegelte Zone für den superstarken und mörderisch gefährlichen Abschaum der Menschheit verwandelt worden. Die Idee erinnert an den unsterblichen Action-Klassiker "Die Klapperschlange" mit einem jungen Kurt Russel als Snake Plissken. In diese Hochsicherheits-Hölle wird Batman verschlagen und trifft dort auf die populärsten seiner Feinde. Two-Face ist mit dabei, der Riddler, Muskelpaket Bane, der Penguin - und natürlich der Joker, der Schlimmste von allen. Sie alle dirigieren Heere von Macheten und Schrotflinten schwingenden Helferlingen.

Das Gameplay entspricht dem Vorgänger: Batman nutzt die Umgebung und seine Gadgets, um Feinde zu erkennen, auszukundschaften und auszuschalten. Das vorsichtige Ausschalten nach dem Prinzip Einer-nach-dem-anderen ist ebenso dabei wie der Kampf gegen zehn Gegner und das kolossal motivierende Kampfsystem, die Bewegungen des dunklen Ritters nicht durch wildes Tastenhämmern, sondern durch einen gezielten Flow von einem Gegner zum nächsten miteinander zu verbinden. So bleibt die grundsätzliche körperliche Überlegenheit Batmans als Spielelement glaubwürdig präsent. Doch wenn er sie nicht taktisch und gesteuert einsetzt, geht er unter.

So erlebt der Spieler knallharte Straßenschlägereien und spannende Schleichmanöver. Herrlich, wenn die Schläger es allmählich mit der Angst zu tun bekommen. Die Rätsel des Spiels basieren auf den forensischen Untersuchungen im Detektiv-Modus des dunklen Ritter - eine simple, aber gute spielerische Lösung und Abbildung seiner Fähigkeiten - und dem situationsabhängig logischen Einsetzen seiner technischen Hilfsmittel. ZU knifflig wird es nie, das Spiel ist durch und durch ein Action-Titel. Die gute Story des fünffachen Emmy-Preisträgers Paul Dini lässt den Spieler tief ins Batman-Universum abtauchen und gewährt auch Einblicke in die gequälte Psyche des Vigilanten.

Das Spiel hat noch eine zweite Protagonistin, deren Download-Code jedem Spiel beiliegt. Selina Kyle alias Catwoman schwingt Beine und Peitsche. Wer sich jetzt an den katastrophal schlechten Film mit Halle Berry erinnert, kann aufatmen: Im Spiel ist Miss Kyle wesentlich interessanten, optisch wie inhaltlich. Wer die Dame nicht downloaded, verpasst interessante Kapitel. Das muss nicht sein, schließlich kostet sie nichts.

Die Kombination all dieser Elemente macht Batman: Arkham City ohne jeden Zweifel zu einem der besten Spiele 2011 - und zum besten Superhelden-Spiel seit Bestehen des Softwaremarkts. Das sehen die Fans wohl auch so. Seit dem Verkaufsstart des Spiels am 18. Oktober in den USA (21. Oktober in Europa) gingen 4,5 Millionen Exemplare über die Ladentische. Jörg Pistorius

Batman Arkham City: Entwickler Rocksteady Studios, Publisher Warner. Bros. Interactive Entertainment. Erschienen für Xbox 360 (getestet) und Playstation 3. Frei ab 16 Jahren.