Ein halbes Jahr Apple Pay – wie wurde das System in Deutschland aufgenommen?

Kontaktloses Zahlen : Ein halbes Jahr Apple Pay – wie wurde das System in Deutschland aufgenommen?

Was in Nationen wie Schweden oder Norwegen schon ganz normal ist, breitet sich mittlerweile auch immer mehr in anderen Ländern wie Deutschland aus. Es geht um das kontaktlose Zahlen ohne Bargeld, das zum Beispiel an der Supermarktkasse oder im Fußballstadion längst möglich ist.

Neben Kredit- und EC-Karten nimmt vor allem Apple mit seiner Anwendung Apple Pay eine wichtige Rolle ein.

Bargeld verschwindet schneller als vermutet

Eine Studie der Strategieberatung Oliver Wyman beweist Überraschendes: Die "Bargeld-Nation" Deutschland ist auf dem besten Weg, Scheine und Münzen zugunsten digitaler Zahlungsmethoden verschwinden zu lassen. Von Juli 2017 bis Anfang 2 019 stieg die Akzeptanz der kontaktlosen Zahlungsmethoden rapide von 15 % auf 47 % an. Dass die Girocard in Deutschland einen großen Einfluss besitzt, ist dabei unbestritten. Einerseits bringt sie viele Vorteile für den Kunden mit, der historisch bedingt an das Produkt gewöhnt ist, während andererseits auch die Unternehmen dank geringer Kosten des Verfahrens profitieren.

Ein möglicherweise entscheidender neuer Akteur auf dem Markt ist Apple. Seit rund einem halben Jahr bietet das Unternehmen sein System Apple Pay auch in Deutschland an. Das ist bislang durchaus von Erfolg gekrönt, wenn man die Aussagen von CEO Tim Cook betrachtet. Cook teilte mit, dass sich die Transaktionen im Gegensatz zum Vorjahr verdoppelten und 1,8 Milliarden erreichten. Insbesondere die Unterstützung durch Finanzinstitute, etwa die Deutsche Bank, war für den Anstieg an Popularität hilfreich. In den vergangenen sechs Monaten stieg der Aktienkurs von Apple (AAPL) deutlich von 132,55 € auf 178,82 € an. Eine solche Entwicklung hatten AAPL nur wenige Experten zugetraut, nachdem im Januar 2019 das größte Minus seit einem Jahr verzeichnet wurde. Auch all jene Händler, die, anstatt herkömmliche Wertpapieren zu nutzen, mit CFDs (Differenzkontrakten) auf einen Kursgewinn von AAPL spekulierten, erzielten Profit. Allerdings hatten sie den Vorteil, die Aktien nicht selbst kaufen zu müssen. Im CFD-Handel wird lediglich auf die Kursentwicklung spekuliert.

Die Suche nach neuen Unternehmenszweigen

Trotz des Erfolgs von Apple Pay können sich Unternehmen durch die auf globaler Ebene bestehende Produktsättigung auf dem Markt mit Schwierigkeiten bei der Produktetablierung konfrontiert sehen. Auch in Deutschland ist es für Apple schwierig geworden, die Menschen weiterhin von den Upgrades ihrer bestehenden iPhones zu überzeugen. Ursprünglich handelte es sich um den mit Abstand wichtigsten Unternehmenszweig, doch aktuell geht es vor allem darum, neue Wege zu finden, um die Verluste in der Produktion auszugleichen. Die im ersten Quartal 2019 weltweit verkauften iPhone-Exemplare stellten zugleich mit einer Anzahl von 36,4 Millionen den tiefsten Wert seit dem 2. Jahresabschnitt 2014 dar. Apple Pay setzt als Dienstleistung genau hier an - allerdings vergleichsweise spät. Dass die Einführung in Deutschland so lange auf sich warten ließ, lag vor allem am Unternehmen selbst.

Mit den beteiligten Banken konnte sich Apple nicht über den abzugebenden Anteil eignen. Im Fall der Kreditkarten liegt dieser üblicherweise bei 0,3 % des Umsatzes. Apple war nicht bereit, diesen Wert unter den aus den Vereinigten Staaten gewohnten Wert von 0,15 % zu reduzieren. Auch wenn keine genauen Details des vor sechs Monaten in Kraft getretenen Vertrags veröffentlicht wurden, ist davon auszugehen, dass angesichts der gestiegenen Ausgaben via Apple Pay in Deutschland beide Seiten profitieren. Es bleibt allerdings zu beobachten, wie sich das System nach der anfänglichen Euphorie auf dem Markt etablieren und weitere Kunden anlocken kann.

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