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Fallout 76 im Test: Der Spaß liegt am Wegesrand

FOTO: Bethesda / privat
Trier. Fallout gehört zu den bekannten Marken in der Welt der Videospiele, Entwickler Bethesda hat mit der schwarzhumorigen Endzeitaction weltweit Erfolge gefeiert. Zurecht. Und jetzt kommt die Multiplayervariante Fallout 76, die weltweit viel Kritik erntet. Wieder zurecht. Von Jörg Pistorius
Jörg Pistorius

Die Welt ist zur Hölle gefahren und hat sich in ein verstrahltes Fegefeuer voller Mutanten, Monster und Mörder verwandelt. Eine gute Ausgangslage für ein Action-Rollenspiel. Die Erkundung der apokalyptischen Welt, die Suche nach Gegnern, Waffen und Ressourcen, das Schmieder von Bündnissen, die Begegnung mit durchgeknallten und abgedrehten Charakteren und der Freiraum, gut oder böse mit ihnen umzugehen, machte Fallout zu einer Größe im Spielegenre. Unvergessen die kleine Siedlung, deren Bewohner eine nicht explodierte und aus dem Boden ragende Atombombe als Gottheit anbeten. Der Spieler darf entscheiden, ob er das Ding enschärft oder hochgehen lässt. Ich gebe zu: Ich habe damals beide Varianten ausprobiert.

Und jetzt kommt Fallout 76. Dessen Kernidee: Das Durchstreifen des Ödlandes macht zusammen mit Freunden oder anderen menschlichen Mitspielern erst richitg Spaß. Die Gruppendynamik führt zu skurrilen Situationen, die den für Fallout typischen schwarzen Humor besonders betonen. Das Spiel beginnt ebenso wie Fallout 3 und 4: Der Spieler erwacht in einem Vault und hat deshalb die Apokalypse überlebt. Ob er auch die nächsten 30 Minuten überlebt, wird sich herausstellen müssen. Tür auf, einmal umsehen, auf ins Ödland. Mal sehen, was so passiert.

Genau diese Frage hängt zentral damit zusammen, wie man Fallout 76 spielt. Denn wer wie in den bisherigen Titeln in gewohnter Weise als einsamer Wolf durch die Endzeitwelt streift, stellt schnell fest, dass die Apokalypse ihren Job sehr gründlich gemacht hat. Man findet nämlich keine anderen Menschen, keine vom Spiel gesteuerten Figuren, die Quests auslösen, Dialoge anbieten und generell für Atmosphäre sorgen. Fallout 76 ist keine auf einen Einzelspieler zugeschnittene Inszenierung. Kurz gesagt: Wer allein unterwegs ist, wird hier kaum Spaß haben.

Denn er findet lediglich Auzeichnungen längst toter Personen, deren Hinweise er im Stil simpelster Geh-hin-und-tu-dies-und-jenes-Quests nachgehen kann. Nach acht Spielstuden als Singleplayer deshalb mein Fazit: Für den Einzelspieler ist diese Fallout-Variante zu tot, zu leer, zu wenig aufregend. Es ist zwar immer noch Fallout, kein Zweifel, aber der überzeugte Einzelspieler sollte lieber Fallout 4 anwerfen und überprüfen, ob er nicht noch ein paar Quests findet. Fallout 76 wird er als Enttäuschung empfinden.

Wer aber einer Multiplayer-Rudelbildung im Ödland nicht abgeneigt ist, hat ein anderen Spielerlebnis. Hier liegt der Spaß tatsächlich am Wegesrand. Eine Gruppe kann in Situationen geraten, die enormen Unterhaltungswert haben, während sie nach Ressourcen suchen oder gegen übermächitge Monster köämpfen. Fallout 76 lässt eine Teamgröße von maximal vier Spielern zu. Der Spieler kan einem bestehenden Team beitreten oder ein eigenes gründen und Freude einladen.

Wichtig: Es gibt lieder keine systemübergreifenden Teams. Wer auf einem PC spielt, kann nur zusammen mit anderen PC-Nutzern durchs Ödland streufen, ebenso ist es mit der Xbox One und der PS4. Auf den beiden Konsolen erfodert Fallout 76 übrigens die kostenpflichtigen Onlinedienste Xbox Live Gold und PS plus. In allen Fällen braucht der Spieler eine ständige Internetverbindung, ohne das große Netz rührt sich Fallout 76 nicht.

Fazit: Fallout 76 kann zum Erlebnis für Mehrspieler werden, die zusammen auf Erkundung und Monsterjagd gehen wollen. Einzelspieler werden hier nicht viel Spaß finden.