Fight Night Champion: Die hohe Kunst des Faustkampfs

Fight Night Champion: Die hohe Kunst des Faustkampfs

Der Boxsport hat seinen Glanz und seine Dramatik schon lange verloren. Wehmütig blicken die Fans des Faustkampfs zurück auf epochale Sternstunden des Sports wie den Thrilla in Manila (Ali gegen Frazier 1975) oder auf Champions wie den lange als unbesiegbar geltenden Roy Jones Jr., der in vier Gewichtsklassen Weltmeister war.

Fight Night Champion bringt all die Giganten des Boxens wieder in den Ring zurück. Marvelous Marvin Hagler. Thomas Hearns. Sugar Ray Leonard. Wer will, kann auch die Klitschkos steuern. Aber wer will das schon.

Wie in vielen anderen Sportarten auch ist Electronic Arts der Branchenprimus des virtuellen Boxsports und verteidigt diese Position alle paar Jahre mit einem neuen Teil einer etablierten Serie. Fight Night Champion ist Teil fünf der EA-Boxspiele und sieht dem 2009 erschienenen Fight Night Round 4 extrem ähnlich. Was nicht unbedingt ein Nachteil ist, denn schon der vierte Teil punktete mit guten Animationen, einem hohen Wiedererkennungswert der Boxer und vor allem einer großartigen Steuerung, die weit über simples Button Mashing hinausging. Auch Fight Night Champion bringt diese innerhalb der Spieleindustrie zurzeit konkurrenzlose Steuerung mit, die den rechten Analogstick als zentrales Instrument der Schlagsteuerung einsetzt. Die Full Spectrum Punch Control ist ein durchdachtes Steuerungssystem, das intuitiv erlernbar ist.

Außerdem präsentiert Fight Night Champion zum ersten Mal eine Story im Solo-Modus. Auch wenn diese Story nur aus Boxfilm-Klischees besteht, ist sie eine nette Abwechslung. So bricht sich der Hauptdarsteller mal die rechte Hand und muss deshalb nur mit seiner linken den Kampf gewinnen. Oder er boxt im Knast ohne Regeln und mit dreckigen Techniken. Am Ende steht natürlich die dramatisch inszenierte Abrechnung mit dem großen bösen Champion Isaac Frost, der vorher den kleinen Bruder des Hauptdarstellers ins Koma geprügelt hat. Rache als Hauptmotivator: Das war schon in Rocky IV vor 26 Jahren vorhersehbar.

Aber zu harte Urteile über den Solomodus sind gar nicht nötig: Er ist nicht mehr als ein kleiner Zusatz innerhalb eines vielseitigen und sehr guten Boxspiels. Es ist einfach herrlich, Kämpfer wie Oscar De La Hoya oder die großen Alten wie George Foreman, Smoking Joe Frazier und Ali, den Größten von Allen, wieder im Ring zu sehen und durch eine komplette Karriere zu führen. Das Spiel macht keine zeitlichen Unterschiede und geht einfach davon aus, dass alle großen Fighter der Boxgeschichte auf der Höhe ihres Könnens in derselben Zeitschiene leben und kämpfen. Mike Tyson, der unglaublich starke Inside-Fighter, gegen den viel größeren Distanz-Knocker Wladimir Klitschko - das sind Kämpfe, die der Fan sehen will.

Nicht nur die Gesichter, auch die Bewegungen und Techniken sind authentisch. Hier haben die Entwickler offenbar viele alte Kämpfe studiert. Im höchsten Schwierigkeitsgrad ist jeder Kampf gegen die KI eine Herausforderung, die nur mit Taktik und Disziplin gemeistert werden kann. Jeder Gamer, der sich auch nur ein wenig für die Kunst des Boxens interessiert, ist hier gut aufgehoben.

Fight Night Champion: Entwickler EA Canada, Publisher Electronic Arts. Frei ab 16 Jahren. Erschienen für Xbox 360 (getestet) und Playstation 3.