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Flirt mit der Tochter des Todes

Flirt mit der Tochter des Todes

"Venetica" steht für schöne Bilder, unkomplizierte Kämpfe und eine starke Heldin. Auf "Risen", das Werk der "Gothic"-Väter Piranha Bytes aus dem Ruhrgebiet, wartet eine weltweite Fangemeinschaft.

Trier. Scarlett ist scheinbar das Klischee-typische Anhängsel eines strahlenden Helden in schimmernder Rüstung. Das von Deck 13 entwickelte Action-Rollenspiel "Venetica" beginnt mit dem Abschied zwischen der holden Maid und ihrem Liebsten, denn er zieht natürlich in den Kampf gegen das Böse, während sie in ihrem armen italienischen Bergdorf zurückbleibt und auf seine baldige Rückkehr hofft.

Doch das Schicksal schlägt gnadenlos zu. Am Abend des großen Abschieds überfallen maskierte Attentäter Scarletts Dorf. Pfeile surren, Hütten brennen, und ihr Liebster fällt heldenhaft bei dem Versuch, ihr Leben zu retten.

Dieser Tod ist ein fieser Geselle



Und als wäre das noch nicht genug, erfährt sie, dass sie alles andere als ein normales Mädel ist. Sie ist die Auserwählte im Streit gegen das Böse - und die Tochter des Todes. Auf in den Kampf.

"Venetica" versetzt Rollenspieler in ein fantasievolles Venedig des 16. Jahrhunderts, in dem der Tod ein Mensch aus Fleisch und Blut ist und von einem Konzil namens "Corpus" regelmäßig für diese besondere Bestimmung ausgewählt wird. Dieses Mal lag der Corpus mit seiner Wahl allerdings gründlich daneben: Der "neue" Tod, Victor, entpuppte sich als gewiefter Nekromant, der es schaffte, sich mit zwielichtigen Tricks zum unbesiegbaren Untoten zu zaubern, der nun den - in der Zwischenzeit vom Corpus schleunigst abermals neu installierten - Tod selbst vernichten will.

Scarlett ist eine typische und grafisch mächtig schicke Action-Heldin, die Klingen und Magie beherrscht und gegen ein ebenso schickes Bestiarium antritt. Der Hintergrund - ein heruntergekommenes Rennaissance-Venedig voller Korruption, Verrat und Verderbtheit - ist ein erfrischender neuer Impuls im sonst eher eintönigen Fantasy-Genre.

"Venetica" zeigt dem Spieler immer klar, wo er lang muss. Von einer frei erkundbaren Welt kann keine Rede sein. Scarlett hat dennoch jede Menge Handlungsfreiheit. Ihre guten oder bösen Taten - je nach Entscheidung des Spielers - prägen Scarletts Ruf und die Art und Weise, mit der die Figuren im Spiel auf sie reagieren.

Insgesamt macht "Venetica" einfach Spaß. Es ist weder hammerschwer noch enorm komplex, technisch mit wenigen Bugs stabil umgesetzt und inhaltlich erfrischend. Der größte Pluspunkt: Wird Scarlett im Kampf besiegt, ist das (noch) nicht ihr Ende.

Als Tochter des Todes wechselt sie ins Schattenreich, kann sich dort neu positionieren und dann wieder über ihre überraschten Widersacher herfallen. Geht ihr jedoch die Schattenenergie aus, die sie mit ihrer Mondklinge aus den Seelen ihrer Gegner schöpft, tritt auch sie von der Bühne ab, und es hilft nur noch das Laden des hoffentlich regelmäßig aktualisierten Spielstandes.

Auf "Risen" hat die Welt gewartet, und zwar nicht in ihrer besten Laune. Als der deutsche Entwickler Piranha Bytes 2006 das Rollenspiel "Gothic 3" vollkommen unfertig und von Fehlern auf allen Ebenen geradezu durchlöchert ablieferte, war die Hölle los. Das Jahrhundertwerk, dem man sein Potenzial trotz aller Bugs ansah, wurde zum Jahrhundertskandal. Kein Computerspiel hat je eine derartige Protestlawine in Gang gesetzt.

Der namenlose Held schlägt wieder zu

Schön und gefährlich ist die Welt von „Risen“. Foto: Koch Media



Piranha Bytes trennte sich danach vom Publisher Jowood. Da dieser die Rechte an der Marke "Gothic" hält, war klar: Was auch immer Piranha Bytes als Nächstes produziert, wird nicht "Gothic" heißen.

Stattdessen trägt das neue Werk aus dem Ruhrgebiet den Titel "Risen". Aber schon nach wenigen Spielminuten ist klar: Dieses Spiel ist "Gothic". Und zwar pur.

Der Held hat weder Namen noch Identität. Die Welt um ihn herum ist stimmungsvoll und bis ins kleinste Detail präzise präsentiert. Die Charaktere, auf die man trifft, sind keine Schöngeister, sondern in Wort und Tat raue Gesellen.

Die Welt von "Risen" liegt frei vor dem Spieler, der die Erinnerungslücken seines Helden nach und nach füllt. Der Spieler hat die Wahl, ob er "Risen" als Ordenskrieger der Inquisition, als Magier oder als Kämpfer eines Banditenclans erlebt. Die Verbesserung bestimmter Fähigkeiten vom Schwertkampf bis zum Brauen eines Heiltranks läuft nicht automatisch ab, sondern nur über Lehrer, die man im Spiel finden und bezahlen muss.

Ob Magier oder Schwertträger: "Risen" bringt viel Arbeit mit. Viele Quests sind miteinander verwoben, der Spieler muss weite Wege zurücklegen - die im späteren Spielverlauf durch Teleporter verkürzt werden.

Fazit: Was "Gothic" berühmt machte, funktioniert auch bei "Risen". Der Spieler hat vollkommen freie Hand, wie er die Dinge angeht. Auf dem PC sehen die Landschaften in "Risen" atemberaubend gut aus, auf der Xbox 360 dagegen deutlich schlechter. Texturen sind verwaschen und unscharf, Animationen hölzern, die Steuerung problematisch. Deshalb gibt es keine Kaufempfehlung für die Konsolenfassung.

"Venetica": Publisher dtp entertainment, Entwickler Deck 13. Frei ab zwölf Jahren. Das Spiel ist für den PC erschienen, eine Fassung für die Xbox 360 folgt im November.

"Risen": Publisher Koch Media GmbH, Entwickler Piranha Bytes. Frei ab zwölf Jahren. Das Spiel ist für den PC und die Xbox 360 erschienen.