Hohe Umsätze trotz geringer Förderanteile

Deutsche Games-Branche : Hohe Umsätze trotz geringer Förderanteile

Seit Jahren wächst der Markt für Computer- und Videospiele in Deutschland: Wachstumsmotoren waren in jüngerer Zeit vor allem die mobilen Videospiele für Smartphone und Tablet sowie der Bereich Free-to-play. Wie hoch der hiesige Umsatz inzwischen ausfällt, zeigen die Ergebnisse der ersten bundesweiten Studie zur Games-Branche, die Anfang Dezember in Berlin vorgestellt wurden. Demnach verzeichnet die Branche inzwischen höhere Umsätze als die deutsche Musik- und Filmindustrie, doch im internationalen Vergleich hinken die deutschen Entwickler noch hinterher. Grund sind zu geringe Fördersummen seitens der Regierung.

Games-Branche: Höhere Umsätze als in Musik- und Filmindustrie

Videospiele sind zu einem weltweiten Massenphänomen geworden: Einer aktuellen Prognose zufolge soll in diesem Jahr ein globaler Umsatz von 116 Milliarden US-Dollar generiert werden. Seit Jahren steigen auch in Deutschland die Umsätze mit Video- und Computerspielen. Der Markt ist dynamisch und stets im Wandel: Statt mit klassischen kaufbaren Vollpreistiteln ließ sich zuletzt vor allem im Sektor "Free-to-play" ein rasantes Wachstum verzeichnen: Dabei handelt es sich um kostenlose Spiele, die man über spezielle Webportale oder App-Stores spielt. Sie finanzieren sich vollständig über optionale Extra-Inhalte. Allein dieses Segment konnte 2016 auf einen Umsatz von 659 Millionen Euro wachsen - 2015 waren es noch 562 Millionen Euro. Auch Spiele-Abonnements und pauschale Netzwerkgebühren, die monatliche kostenlose Spiele enthalten, lösen zunehmend das klassische Retail-Prinzip ab, bei dem Spiele auf physischen Datenträgern über den Einzelhandel verkauft werden. Insgesamt brachte es die hiesige Games-Branche auf einen jährlichen Gesamtumsatz von rund 2,9 Milliarden Euro. Die erste bundesweite Studie zur Games-Branche hat jetzt ergeben, dass mit diesem Wert der Umsatz hierzulande zwar höher sei als jener der Musik-Industrie (1,55 Milliarden Euro) oder der Kinofilmbranche (1,17 Milliarden Euro), dafür jedoch nur ein sehr geringer Teil der Umsätze auf deutsche Produktionen entfällt.

Deutsche Produktionen hinken internationalen hinterher

Es fehlt noch an großangelegten Förderprogrammen der Bundesregierung, damit deutsche Anbieter dem Druck auf dem umkämpften Markt langfristig standhalten können. Während in Ländern wie Kanada, Frankreich oder Großbritannien die inländische Produktion stärker gefördert wird, müssen deutsche Entwickler große Risiken eingehen und die teuren Produktionen selbstständig oder mittels von Krediten stemmen. So lag der Umsatz mit deutschen Entwicklungen laut eines Artikels der Wirtschaftswoche im Jahr 2015 bei lediglich 549 Millionen Euro. Dabei seien die Grundsteine bereits gelegt: Mit bundesweit 14.000 Beschäftigten (64 Prozent davon in Vollzeit) in der Branche sowie bis zu 600 Menschen, die jährlich einen der zahlreichen branchenrelevanten Studien- und Ausbildungsgänge mit einem Schwerpunkt auf Games-Entwicklung abschließen, ist Know-how zahlreich vorhanden. Felix Falk, Geschäftsführer des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU), erklärt in einer Pressemitteilung zu der Studie: "Wir haben die Talente, die Technik und den Tatendrang, um 'Games Made in Germany' zu einem Exportschlager zu machen". Doch die Konkurrenz auf dem international ausgerichteten Markt ist stark: Standortvorteile wie in Kanada (Ontario) mit einem staatlichen Förderanteil von rund 32 Prozent suchen Entwickler in Deutschland vergebens. Hierzulande beträgt der öffentliche Förderanteil für Spieleentwicklungen lediglich 2,6 Prozent. Vor diesem Hintergrund verwundert es wenig, dass eine immer größere Lücke zwischen dem riesigen Absatzmarkt Deutschland und dem verhältnismäßig kleinen Produktionsmarkt der Bundesrepublik klafft. Die bundesweite Studie könnte jedoch ihren Beitrag zu einer Neubewertung der Branche leisten: Sie weist auf die hohe Bedeutung der Videospielindustrie in Deutschland hin und offenbart das wirtschaftliche Potenzial der Branche. So gibt sie der Bundesregierung Aufschluss über die Potenziale der Games-Branche. "Auf Basis dieser Daten können die aktuellen und zukünftigen Entwicklungen der Branche besser eingeschätzt und politische Diskurse zielgerichteter gestalten werden", erklärt Staatministerin Prof. Monika Grütters, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Ob und wie Förderprogramme der Regierung umgesetzt werden, bleibt aber vorerst noch abzuwarten.

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