"Legal Tech"-Start-Ups gewinnen an Bedeutung

"Legal Tech"-Start-Ups gewinnen an Bedeutung

(Trier) Die Branche der Legal Techs boomt. Digitale Lösungen und Künstliche Intelligenz werden auch im Bereich Recht immer wichtiger, ob als Vermittlungsportal für die Anwaltssuche oder als Programm für die Verwaltung von Verträgen. Das Magazin ÖKO-TEST hat einen ausführlichen Test zu den digitalen Helferlein veröffentlicht.

Viele Legal Tech-Unternehmen haben sich auf die Rechte von Fluggästen spezialisiert: Der Grund: Fällt ein Flug aus, können sich die Gäste prinzipiell an die Fluglinie wenden - doch die Beschwerde ist nicht immer mit Erfolg und oft mit einigem Nachhaken verbunden. Plattformen wie "EUflight" erleichtern Nutzern das Verfahren deutlich und erhalten nur dann einen Teil der Rückerstattung als Provision, wenn sie die Ansprüche erfolgreich gegen die Airline durchsetzen konnten. Der Vorteil für Verbraucher liegt vor allem in der Bequemlichkeit und Zeitersparnis, da man sich nicht selbst um das Problem kümmern muss. Denn die Arbeit kann man theoretisch auch selbst ohne Anwalt erledigen. So kann man bei einem Streit mit der Fluggesellschaft die kostenlose Schlichtungsstelle SÖP (Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr) kontaktieren, die versucht, eine Einigung herzustellen. Ist sie erfolgreich, wird dem Kunden die gesamte Entschädigungssumme ausgezahlt, ohne dass er etwas davon abgeben müsste.


Doch nicht nur für verschiedenste rechtliche Bereiche und Sachverhalte, sondern auch für verschiedene Stadien eines rechtlichen Problems gibt es unterschiedliche Legal-Tech-Unternehmen. Sei es, dass man nur Informationen benötigt oder den Kontakt zu einem Anwalt sucht. Das Portal Volders liefert zum Beispiel verschiedene Vorlagen für Vertragskündigungen und Übersichten über Konditionen und Fristen bei abgeschlossenen Verträgen, damit es gar nicht erst zum Streitfall kommt. Auf Wunsch erhält man beispielsweise vor Ablauf der Kündigungsfrist eine SMS, um sie nicht zu vergessen. Der Dienst verbindet so die Vorteile eines Vergleichs-, Service- und Infoportals.

Damit steht das Angebot in Konkurrenz zu Apps wie GetSafe, die Versicherungen verwalten und neue Tarife vorschlagen. Bei diesen können Nutzer ebenfalls ihre aktuellen Versicherungspolicen eintragen und erhalten Vorschläge, wie sie bei einem Wechsel Kosten sparen können. Nutzer von Getsafe sollten sich allerdings im Klaren darüber sein, dass diese Anwendung tatsächlich als Makler fungiert, sobald sie für einen Vertragswechsel genutzt wird. Die Start-Ups betonen, dass sie einen Vorteil sowohl für Versicherer als auch für die Kunden bieten und beide zusammenbringen. Als weitere Start-Ups aus der gleichen Branche listet "ÖKO-TEST" Vertragsprüfungsseiten wie Legalbase.de und yourXpert.de auf. Ebenso wie bei anderen Anbietern sollte man allerdings auch hier darauf achten, dass diese die Haftung für die Überprüfungen übernehmen - ganz so, wie es ein Anwalt tun würde.

Durch die verschiedenen, schnell zugänglichen Tools sind Privatpersonen heutzutage gut gerüstet, um ihre Rechte durchzusetzen. Dadurch kommen Unternehmen wie die Fluglinien allerdings in Zugzwang. "Standardisierte Rechtsverfolgung verlangt nach einer standardisierten Antwort", formuliert es der KPMG Law-Geschäftsführer Matthias Oberndörfer gegenüber der "Welt" . Die Veränderung muss ernst genommen werden, denn Legal Tech ist laut Oberndörfer "keine Modeerscheinung für hippe Jura-Start-ups, sondern der neue Standard".

Die Bewertungen von "ÖKO-TEST" sind für den Preis von 2,50 Euro hier abrufbar.