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Max Payne 3: Der Tragischste aller Ballermänner

Max Payne 3: Der Tragischste aller Ballermänner

Der traumatisierte Rächer Max Payne gehört zu den Klassikern des Shooter-Genres. volksfreund.de hat seinen aktuellen Auftritt in Max Payne 3 (Xbox360, PS3, PC) getestet.

Der Name sagt alles: Max Payne besteht ausschließlich aus Pain, aus purem Schmerz. Auftragskiller ermorden seine Frau und Tochter und starten seinen Rachefeldzug, der allerdings keine Erlösung verspricht, sondern mit jedem Schusswechsel lediglich eine weitere Bestätigung des Schmerzes und einer Seele in Trümmern bringt. Wirklich harter Stoff, doch er hat aus Max Payne den interessantesten Charakter im normalerweise nicht unbedingt tiefgehenden Shooter-Genre gemacht. Es ist Max Paynes dritter Auftritt in einem Computerspiel.

Schon 2001 und 2003 spielte der Polizeikommissar die Hauptrolle in zwei PC-Titeln, die heute zur Shooter-Historie gehören wie Franz Beckenbauer zum Fußball. Die vom finnischen Entwickler Remedy Entertainment und Publisher Rockstar präsentierten Titel waren keine simplen Ansammlungen brachialer Ballereien, sondern zeigten im Stil eines Film Noir die innere Zerrissenheit des schwer traumatisierten Protagonisten, der keine andere Daseinsberechtigung mehr sieht als die Rache.

Die innovative und bahnbrechende Technik und Inszenierung hoben das Schicksal des Max Payne ebenfalls weit aus der großen Masse der Action-Titel heraus. Remedy hatte die Bullet-Time erdacht: eine einschaltbare Superzeitlupe, die dem Helden spektakuläre Aktionen ermöglichte. Eine Hommage an den Hongkong-Action-Pionier John Woo, der in Filmen wie Hard Boiled seinen Helden Choy Yun Fat im Sturz, Sprung und freien Fall noch aus allen Rohren ballern und treffen ließ.

"Ich glaube nicht an den Himmel. Ich glaube an den Schmerz.” Max Payne

Elf Jahre nach seinem Debüt hat Max Payne keine Erlösung gefunden. Er sieht mittlerweile aus wie Bruce Willis in Stirb langsam 4.0, hat das New York Police Departement verlassen und vegetiert als Alkoholiker und Tablettenjunkie vor sich hin. Von Beginn an macht Max Payne 3 klar, dass sich der tragische und düstere Ton der Shooter-Serie absolut nicht verändert hat. Nach einer Schießerei in einer Bar in New Jersey, die für einen Mafioso tödlich endet, fliegt Payne nach Sao Paulo und nimmt einen Job als Personenschützer an. Als seine Zielpersonen von einer Straßengang entführt werden, greift der tragische Ballermann wieder zu seinen Waffen.

Die Serie schafft den Sprung vom PC, der 2001 und 2003 noch das Maß aller Dinge der Spieleindustrie war, auf die Next-Generation-Konsolen Xbox 360 und PS3 erwartungsgemäß mit Bravour. Die Favelas von Sao Paulo sind von den Rockstar-Studios London, New England, Toronto und Vancouver herausragend in Szene gesetzt worden. Trotz der sehr tragischen Zeichnung des Helden hat Max Payne 3 - natürlich - keine erzählerische Basis. Sehr gut und linear inszenierte Schusswechsel machen den Reiz des Titels aus. Der Spieler sieht den Helden in der Third-Person-Perspektive. Das aus Gears of War bekannte System ist aktiv: Ein Tastendruck, und Mister Payne nutzt den Hintergrund - Schreibtisch, Wand, Blumenkübel - zur Deckung.

Die Bullet-Time ist immer noch eines der interessantesten Features, die das Action-Genre seit dem Jahr 2000 hervorgebracht hat. Während alle Kontrahenten sich wenige Sekunden nur in Superzeitlupe bewegen, hat Max seine normalen Reflexe noch und kann entsprechend schnell und präzise zielen und treffen. Hier wird wieder deutlich, wie sehr Spiel- und Filmindustrie als tragende Säulen eines Milliardengeschäfts einander ergänzen.

Max Payne 3 revolutioniert das Shooter-Genre nicht, setzt aber in Optik und Inszenierung dessen klassische Stärken sehr gut um. Ein brachiales Baller-Ballett mit einer emotionalen Basis aus Tragik und Melancholie. Eine deutsche Synchronisation gibt es nicht, auch in der hierzulande erhältlichen Fassung wird Englisch gesprochen. Zum ersten Mal bietet die Serie auch einen Multiplayermodus mit klassischen Varianten wie Deathmatch und Capture The Flag an. Jörg Pistorius

May Payne 3
Entwickler Rockstar Games
Erschienen für Xbox 360 (getestet), Playstation 3 und PC
Frei ab 18 Jahren