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Neuer Facebook-Dienst: Mehr Verantwortung für Nutzer

Neuer Facebook-Dienst: Mehr Verantwortung für Nutzer

Facebook-Mitglieder bekommen künftig eine E-Mail-Adresse, aber im Kern geht es um mehr: Das Online-Netzwerk will zu einer zentralen Kommunikationsplattform werden. Deutsche Datenschützer sind alarmiert.

Mark Zuckerberg, 26, fühlte sich kürzlich auf einmal alt. Der Facebook-Gründer unterhielt sich mit Schülern darüber, wie sie sich im Internet austauschen. E-Mails, erklärten sie dem Jung-Unternehmer, seien zu langsam und zu förmlich: Adresse raussuchen, Betreffzeile überlegen, Begrüßung schreiben - „all das macht Kommunikation viel komplizierter“, erfuhr Zuckerberg.

Als er am Montag (15. November) Neuigkeiten anzukündigen hatte, sollte es daher nicht nur um E-Mails gehen, wie die amerikanischen Technologie-Blogs im Vorfeld spekuliert hatten. Das weltgrößte Online-Netzwerk mit mehr als 500 Millionen Mitgliedern baut sein bislang rein internes Nachrichtensystem zu einem Universal-Postfach aus, das elektronische Post, SMS und Chat „nahtlos“ zusammenfasst. „E-Mail ist nur ein Teil davon“, wiederholte Zuckerberg bei der Präsentation in San Francisco mal um mal. Das System sei eher wie ein Chat gestaltet, assistierte Chef-Entwickler Andrew Bosworth.

Eine Adresse mit der Endung @facebook.com bekommen Mitglieder, wenn sie wollen. Diese dient dazu, auch Nutzern außerhalb der Plattform Mails zu schicken. Mit der klassischen elektronischen Post lässt sich das System aber dennoch nicht vergleichen. Es hat weniger Funktionen - und ist gleichzeitig mehr.

„Die Funktionen sind so beschränkt, dass die Nutzer, die die Mail-Dienste von Google, Yahoo oder Microsoft verwenden, kaum wechseln werden“, schrieb der auf soziale Netzwerke spezialisierte Gartner-Analyst Ray Valdes in einem Blogpost. Ein Ordner-System, wie es jeder Outlook-Nutzer kennt, suche man beispielsweise vergeblich.

Darum geht es Facebook aber offenbar auch nicht. Das neue Feature zielt nicht auf Büro-Arbeiter, sondern vor allem auf jungen Vertreter der „Generation Internet“: Schüler und Studenten, die mit Sozialen Netzwerken und Instant Messaging groß geworden sind und gerne direkt und informell kommunizieren, egal ob am Computer oder über das Smartphone. Das neue, robustere Nachrichtensystem ist damit auch eine Wette auf die Zukunft.

Damit diese geballten persönlichen Informationen sicher sind, tragen Nutzer dann eine noch größere Verantwortung, ihren Rechner vor Angriffen zu schützen. Facebook führt das System in den kommenden Monaten schrittweise ein, zunächst in den USA. Wann es in Deutschland verfügbar sein wird, ist unklar.

Anders bei einigen früheren Produkteinführungen kündigte Facebook von vornherein strenge Datenschutzeinstellungen an. Nutzer können beispielsweise festlegen, dass E-Mails von Absendern, die nicht zu ihren Kontakten gehören, automatisch blockiert werden. „Anstatt sich Sorgen zu machen, dass die Mail-Adresse an die Öffentlichkeit gelangt, kontrolliert man jetzt, wer einen erreichen kann“, erklärte das Unternehmen in seinem Blog.

Neben den Nachrichten soll zwar - wie überall auf der Plattform - personalisierte Werbung erscheinen. Firmenchef Mark Zuckerberg sicherte aber zu, dass dafür der Inhalt der Konversationen nicht ausgewertet werde.

Die Bündelung so vieler privater Informationen birgt allerdings Risiken. Facebook ist bereits jetzt im Fokus von Kriminellen: Nach einer Studie des Sicherheitssoftware-Anbieters Kaspersky zielen rund 6 Prozent aller Phishing-Mails auf Nutzer des sozialen Netzwerks. Beim Phishing versuchen Betrüger, die Zugangsdaten zu Nutzerkonten zu stehen. „Die neuen Funktionen vergrößern die Angriffsfläche der Facebook-Plattform und machen es für Cyberkriminelle noch verlockender, in die Nutzerkonten einzubrechen“, warnt Sophos, ein Anbieter von Sicherheitssoftware.

Auch deutsche Datenschützer sind wegen der Facebook-Neuerungen alarmiert. Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar warnte: „Dass ein Anbieter das gesamte Kommunikationsverhalten der Menschen auf sich zieht - egal wer das ist - halte ich für bedenklich.“ Es wachse zum Beispiel die Gefahr, dass bei Verlust des Passworts Angreifer umfangreiche Informationen in die Hände bekommen.

„Ob es sinnvoll ist, so viele Informationen einem Anbieter in die Hand zu geben, ist fraglich“, sagte Caspar. „Jeder muss wissen: Wenn die Daten außerhalb des Landes gespeichert werden, können die deutschen Datenschutzbehörden nicht kontrollieren, wie damit verfahren wird.“ So betone Facebook ausdrücklich, dass die von Kalifornien aus angebotenen Dienste nicht durch deutsches oder europäisches Datenschutzrecht geregelt würden.

Seine Behörde habe von Facebook keine Vorab-Informationen zu der neuen Plattform erhalten, sagte Caspar. Er beklagte auch, dass Facebook in Deutschland immer noch keinen lokalen Ansprechpartner für Datenschutzbelange habe, was eigentlich laut Gesetz erforderlich sei.