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Glücksspiel
Niederlande erlauben Online Casino offiziell: Zieht Deutschland nach?

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Was sich in Deutschland seit Jahren hinschleppt, wird nun bei den niederländischen Nachbarn Realität: Online-Casinos dürfen nun ganz legal in den Niederlanden operieren.

Ob dies Einfluss auf den deutschen Markt hat, bleibt abzuwarten.

Online-Casinos rechtlich umstritten

Über Jahrzehnte hinweg war das Glücksspiel in den meisten europäischen Ländern fest in staatlicher Hand. Vorgeblich sollte das Monopol die Einwohner vor Spielsucht schützen, da sie nicht von privaten Anbietern zum Spielen verführt werden konnten. Inoffiziell profitierten die Regierungen von üppig sprudelnden Einnahmen. Doch das Internet hat die komfortablen Monopole obsolet gemacht: Keine Regierung kann ihre Einwohner daran hindern, auf Internetwebsites mit (legalem) Sitz im Ausland ihr Glück zu versuchen. Entsprechend stark ist die Zahl dieser Anbieter in den letzten Jahren gewachsen. Eine Übersicht über die aktuelle Lage beim Glücksspiel in Deutschland gibt es zum Beispiel auf diesem Portal und dabei handelt es sich nur um eine kleine Selektion der Anbieter.

Die Casinos agieren dabei in einer rechtlichen Grauzone: Da sie über eine gültige Lizenz aus einem EU-Land verfügen (meist Malta oder Gibraltar), dürfen sie ihre Dienstleistungen in der Europäischen Union legal anbieten. Allerdings urteilte das Bundesverwaltungsgericht erst im Herbst 2017, dass das Veranstalten von Casino- und Pokerspielen im Internet hierzulande illegal ist. Eine Strafe müssen Spieler zwar generell nicht befürchten - doch es kann auch schief gehen. Diese Erfahrung musste vor einigen Jahren ein Münchner machen, der in einem in Gibraltar lizensierten Online-Casino beim Black Jack 190.000 EUR gewonnen hatte. Er durfte nicht nur seinen Gewinn nicht behalten, sondern musste obendrein noch eine Strafe zahlen. Darüber hinaus sind deutsche Spieler nicht geschützt, wenn ein von ihnen genutztes Online-Casino urplötzlich aus dem Internet verschwindet und das dort eingezahlte Guthaben mit ihm verschwindet.

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Immer mehr europäische Staaten vergeben Lizenzen

Die schiere Anzahl der Online-Casinos und der dort aktiven Spieler sprechen eine eindeutige Sprache: allein in Deutschland werden jährlich rund 2,3 Milliarden Euro umgesetzt und der Markt wächst rasant weiter. In den Nachbarländern der Europäischen Union sieht es nicht anders aus - und immer mehr Regierungen beugen sich dem Druck. Als erstes Land preschte Dänemark vor, das Online-Casinos schon 2012 legalisierte und entsprechende Lizenzen vergab. Aktuell sind 28 Online-Casinos aktiv, die allein 2017 umgerechnet 264 Millionen Euro erwirtschafteten. Den dänischen Staat freut's, denn für ihn fallen 20 % Steuern an. Dies weckte wohl das Interesse der Nachbarn auf der anderen Seite des Öresunds, denn Ende 2018 zog Schweden nach und vergab erstmalig 18 Glücksspiellizenzen an legale Online-Casinos.

Nun also die traditionell liberal eingestellten Niederländer. Auch hier galt bislang ein Monopol des staatlichen Anbieters Holland Casino, das jedoch fleißig ignoriert wurde. Einer Studie zufolge hatten rund 1,86 Millionen Niederländer zwischen 2016 und 2018 ihr Glück in offiziell illegalen Online-Casinos versucht und dabei rund 600 Millionen Euro verzockt. Für den Staat bedeutete dies entgangene Steuereinnahmen in Höhe von rund 175 Millionen Euro (hätten die Spieler stattdessen die legalen Dienste von Holland Casino in Anspruch genommen). Zuletzt hatte es die niederländische Glücksspielbehörde mit enormen Geldstrafen für ausländische Anbieter versucht. Das berühmte englische Wettbüro William Hill wurde beispielsweise mit einer Buße in Höhe von 300.000 Euro belegt, weil es ohne niederländische Lizenz auf dem Markt unterwegs war - inklusive holländischem Kundendienst und Bezahlungsmethoden.

Neu ist der Sinneswandel nicht: Zuletzt sperrten sich nur noch zwei streng christliche Parteien und die Sozialisten gegen eine Gesetzänderung. Diese wurde jedoch am 12. Februar 2019 von der Ersten Kammer durchgewunken. Allerdings dauert es noch bis 1. Juli 2020 bis das Gesetz in Kraft tritt. Die ersten legalen Online-Casinos sollen dann zum Jahresende eröffnen. Derzeit läuft die Vergabe der etwa 50 geplanten Lizenzen.

Experten: Deutschland wird sich dem Druck beugen

In Deutschland gibt es derzeit noch keine Anzeichen dafür, dass sich an der verfahrenen Situation etwas ändert. Als bestes Beispiel dienen die hierzulande ebenfalls beliebten Sportwetten, bei denen der weit größte Anteil auf den Fußball entfällt: Schon 2012 hatte der Europäische Gerichtshof das Sportwettenmonopol der Regierung (die hinter dem einzigen legalen Anbieter Oddset stand) als rechtswidrig verurteilt. Danach kam es regional beschränkt in Schleswig-Holstein und Hessen zu Legalisierungsversuchen, die jedoch keine wirklichen Veränderungen brachte. 2016 mahnte der EuGH die verfahrene Lage erneut an, doch geändert hat sich seither - nichts. So sind nun schon drei Jahre ins Land gegangen.

Ähnlich lange würde sich vermutlich eine Lizenzvergabe an Online-Casinos hinziehen. Dennoch sind Experten der Ansicht, dass sich auch die deutsche Regierung früher oder später den Realitäten des Marktes anpassen und dem Druck nachgeben müsse. Allzu schwer sollte es ihr jedoch nicht fallen: Wie Dänemark gezeigt hat, geht mit der Legalisierung des Marktes ein warmer Geldregen in Form der Steuereinnahmen einher.