Phänomen Flashmob

Aus dem Nichts lösen sich plötzlich Menschen aus der Masse und tun gemeinsam Sachen, so als seien sie ferngesteuerte oder hypnotisierte Marionetten.

Dabei schreien sie beispielsweise skurrile Parolen, um nach Sekunden wieder in der Menge zu verschwinden. „Flashmob“ heißt das aus Amerika über den großen Teich geschwappte Phänomen. Das neue Gesellschaftsspiel wird meist als Spaßveranstaltung genutzt, Medienexperten sehen aber auch ein politisches Potenzial im „Flashmob“.

Zig Menschen bewerfen sich mitten in der Innenstadt aus heiterem Himmel mit Konfetti, hüpfen singend und schreiend auf einem Bein herum oder tun andere sinnlose Dinge inmitten der sprachlosen und verdutzten Öffentlichkeit. Da hat ein „Flashmob“ zugeschlagen. Leute tun wie ein Heer aus hypnotisierten Marionetten plötzlich gemeinsam aus dem Nichts heraus sinnlose Dinge.

Der englische Begriff „Flashmob“ setzt sich aus „flash“ (Blitz) und „mob“ wie „Pöbel“ zusammen und bezeichnet das Phänomen, bei dem sich Dutzende, Hunderte oder sogar Tausende Menschen – ohne sich zu kennen – über das Internet oder Handy verabreden, sich blitzartig zusammenzuschließen, um eine gemeinsame Tätigkeit auszuführen. Ebenso plötzlich wie der Spuk angefangen hat, löst sich die Menge meist nach kurzer Zeit wieder auf. Dabei äußern sich diese sinnfreien Gesellschaftsspiele im Gewand der künstlerischen Performance (Happening) meist spielerisch, ohne Protestcharakter oder politische Hintergründe. 2003 schwappte der „Flashmob“-Trend aus den USA nach Europa, wo er in vielen Großstädten rege Beachtung und Teilnehmerzahlen fand.

Sinnfreies Gesellschaftsspiel oder politische Agitation?

Urheber des „Blitzpöbels“ ist der amerikanische Journalist Bill Wasik, der in New York den ersten „Flashmob“ inszenierte. Mehr als 100 Menschen waren Wasiks Ruf gefolgt, einem Teppich eine Liebeserklärung zu machen, sinnlos 15 Sekunden in einer Hotel-Lobby zu applaudieren und sich danach in einem Schuhgeschäft als Touristen auszugeben. Wasiks Idee dahinter war, zu zeigen, wie sich Leute selbst sinnlosen Aktivitäten anschließen, nur um Teil einer großen Sache zu sein.

In seinen Büchern „The virtual community“ (Die virtuelle Gesellschaft) und „Smart Mob“ (intelligenter Pöbel) beschreibt der Medientheoretiker Howard Rheingold das Phänomen einer virtuellen Gesellschaft, die sich aus dem virtuellen Raum heraus zusammenschließt. Mit Hilfe der neuesten Kommunikationsforen der Internet-Communities, Foren, Blogs, Handys sei die Mobilisierung von Menschenmassen zu einem Ziel blitzschnell zu organisieren, ohne dass sich die Teilnehmer vorher kennen müssen.

Flexibel können sich Gleichgesinnte versammeln und agieren. Das revolutionäre Potenzial der Blitz-Aufmärsche kündigte sich bei den sich plötzlich erhebenden Demonstrationen im Iran in Teheran an. Denn die Demonstrationen folgten etwa dem Muster von „Flashmobs“, werden aber ob ihres zielgerichteten und politischen Inhalts als „Smart Mobs“ bezeichnet.

Extra

„Flashmobs“ in Trier

Im Juni vergangenen Jahres riefen Thomas Rößler und Alfons von der Gruppe „Müllers Best Team“ über das soziale Internet-Netzwerk „Wer-kennt-Wen“ ihre Mitglieder in Trier auf, sich auf dem Hauptmarkt der Stadt zu versammeln, um mit einer Massenbestellung von 10.000 Hamburgern die Mc-Donald’s-Filiale lahmzulegen und einen Weltrekord aufzustellen. Zwar scheiterte der Weltrekordversuch, doch die Fast-Food-Ketten-Mitarbeiter hatten jede Menge zu tun, den etwa 150 Teilnehmern rund 800 Hamburger zu servieren.

Am 8. August riefen Umweltaktivisten auf, in Badebekleidung vor der Porta Nigra gegen den Klimawandel zu protestieren. Die Flashmobber trafen sich dabei mit Bade- und Strandutensilien vor dem Wahrzeichen der Stadt. Aufgerufen hatte zu diesem politisch ambitionierten „Flashmob“ die Green-Peace-Abteilung Trier.

Am 29. August versammelten sich rund 150 Michael-Jackson-Fans am Trierer Pranger und tanzten zum Verblüffen der Trierer Fußgänger minutenlang zum Hit „Beat it“:

Am Freitag wird in Trier ein Flashmob erwartet. Aufgerufen sind im Internet Menschen, sich um 20 Uhr auf dem Hauptmarkt mit ihren Schlafkissen zu traktieren und spontan eine Kissenschlacht auszulösen. Wer nichts Besseres im Sinn hat, der möge sich mit seinen Daunen mitprügeln.