Geschichte zum Hören Podcast: Als ein antiker Poet in Trier wirkte, Bissula heiratete und der Mosel ein Gedicht widmete

Trier · Decimus Magnus Ausonius hat vor 1700 Jahren der Mosel ein literarisches Denkmal gesetzt. Doch der damals in Trier lebende Römer war mehr als nur ein Poet: Über sein Leben und seine Rolle als Erzieher des späteren römischen Kaisers Gratian - und seine alemannische Geliebte Bissula - weiß ein Historiker der Uni Trier mehr zu erzählen. Mehr hören Sie in der Folge unseres Geschichts-Podcasts „Porta“.

 In Neumagen-Dhron steht eine Ausonius-Statue (Archivbild).

In Neumagen-Dhron steht eine Ausonius-Statue (Archivbild).

Foto: TV/Klaus Kimmling

In einer Zeit, in der die römischen Herrscher permanent um die Sicherung der Grenzen des Imperiums kämpfen, schreibt ein Gelehrter am Hof des Kaisers Gratian in Trier eine Lobeshymne auf die Mosel. Warum und wie das Wirken von Ausonius über die des reinen Erziehers hinausging, erzählt Christian Rollinger, Historiker an der Universität Trier, in der neuen Folge des History-Podcasts „Porta“ von volksfreund.de

Wer war Ausonius?

Der antike Poet Ausonius wurde um 310 nach Christus in Burdigala (Bordeaux) geboren. Sein Vater war Arzt, seine Mutter entstammte dem Stamm der gallischen Häduar. In seiner Heimat, im Südwesten des damaligen Galliens und heutigen Frankreichs, wirkte Ausonius nun lange Zeit als Lehrer, bis er im Alter von 50 Jahren an den Hof des römischen Kaisers Valentinian berufen wurde (regierte 364 bis 375). Der frisch proklamierte Herrscher residierte damals in Augusta Treverorum (dem heutigen Trier) und suchte nach einem Erzieher für seinen Sohn Gratian (Kaiser von 375 bis 383). So reiste der Dichter an die Mosel - und blieb dort für die nächsten Jahre.

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Ausonius` Leben in Trier war dabei nicht auf das Verfassen literarischer Werke und die Erziehung von Gratian beschränkt. Der gallische Gelehrte nahm als Kriegsberichterstatter an einem Feldzug Valentinians gegen den germanischen Stamm der Alemannen teil und war später auch Berater Gratians. Ausonius übernahm verschiedene Regierungsämter am Hof, auch sein Sohn Hesperius wurde bedacht. Erst nach Gratians Tod kehrte Ausonius zurück nach Burdigala, zusammen mit seiner zweiten Frau Bissula. Er starb vermutlich um 390 nach Christus.

Das bekannteste literarische Werk von Ausonius dürfte zweifelsohne die 482 Verse umfassende Mosella sein (eine deutsche Übersetzung ist online hier einsehbar), die eine Reise von Bingen am Rhein nach Trier beschreibt, wobei sich das Gedicht vorwiegend um die Eigenschaften des Moseltals (Bewohner, Landschaft, Nebenflüsse und Fische!) dreht. Der gallo-römische Gelehrte hat zudem verschiedene Gedichte verfasst (hier gibt es eine Übersicht). Auch der Trierer Altertumswissenschaftler Paul Dräger hat sich mit Ausonius ausgiebig beschäftigt, so hat er die Mosella in einer neueren Arbeit übersetzt und kommentiert (mehr Infos auf seiner Website)

Dr. Christian Rollinger ist an der Uni Trier im Fachbereich 3 (Alte Geschichte) als Privatdozent in Lehre und Forschung tätig. Der luxemburgische Historiker hat mehrere Aufsätze und Bücher verfasst und ist Mit-Herausgeber des digitalen Journal of Historical Network Research. Demnächst erscheint seine Habilitationsschrift zu Ritualen am spätantiken Kaiserhof in Konstantinopel, damals Hauptstadt des Oströmischen Reiches. Mehr zu Christian Rollinger und seinen Forschungen können Sie hier auf der Website der Uni Trier nachlesen.

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Miguel Castro (l.) und Alexander Wittlings gehen mit ihren Gästen für den Podcast „Porta - das Tor zur Geschichte“ auf historische Spurensuche.

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Foto: Johanna Heckeley

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