Saints Row The Third: Gangsta's Paradise

Saints Row The Third: Gangsta's Paradise

We've been spending most our lives living in the gangsta's paradise. Yeah, brother. Rapper Coolio hat in seinem Hit kein Videospiel besungen. Dennoch könnte Gangsta's Paradise die offizielle Hymne der Videospielserie Saints Row sein, deren dritter Teil zurzeit Kritiker und Käufer begeistert. Was THQ in diesem Titel anbietet, hätte sich der wüsteste Hardcore-Rapper nicht besser, bissiger und abgedrehter ausdenken können.

Applaus ist das Brot des Künstlers, Respekt das des Gangstas. In der realen Welt ist Respekt ein wesentliches Element des Zusammenlebens in Familie und Gesellschaft. In Saints Row The Third dagegen gibt's jede Menge Respekt, wenn man Gegner, Autos, Panzer, Kampfjets, Gebäude und einen Flugzeugträger sprengt, Gegner zu Hunderten über den Jordan ballert oder sie - kein Witz - mit einem violetten Riesendildo verprügelt. Saints Row The Third bietet die Stadt Stillwater als offene Welt an, in der man so ziemlich alles machen daruf - nur bitte nichts davon ernst nehmen.

Die Third Street Saints sind keine Straßengang mehr, sondern ein Multi-Mega-Konzern, der über ein Merchandise-Imperium gebietet, Werbespots für Energydrinks dreht und sich bei Banküberfällen mit überdimensonalen Masken tarnt, die das eigene Antlitz darstellen. Eigentlich eine schlechte Ausgangssituation für ein Spiel: Welche Ziele soll man in einer solchen Gangsta-Traumwelt noch verfolgen? Deshalb lässt Entwickler Volition die Saints ganz einfach über fremdem Territorium aus einem Flugzeug fallen. Nach dieser spektakulären Sequenz, in der man zwischen schießenden Gegnern und Panzern im freien Fall dem Erdboden entgegenrast und dabei noch Gangsta-Mieze Shaundi retten muss, findet sich der Spieler mit seiner Crew in der Stadt Steelport wieder, die vom Syndikat beherrscht wird - und dieses hat den Saints den Krieg erklärt. Also Wummen durchgeladen und auf in den Kampf.

Die Spielmechanik eines Open World Games funktioniert in Saints Row ebenso wie im Genreprimus Grand Theft Auto (GTA), auf dessen fünften Teil eine weltweite Fangemeinschaft wartet. Neben den Hauptmissionen, die komfortabel im Smartphone angezeigt werden, bietet Steelport mit seinen Stadtteilen viel Platz zum Spielen. Autos klauen? Drogendealer beschützen? Durchgeknallten Promis einen Erlebnisabend mit viel Action bieten? Oder im Gruselkabinett eines japanischen Professors als Hauptdarsteller einer Live-Show um sein Leben kämpfen? Geht alles. Steelport ist zwar nicht so vielschichtig wie die GTA-Stadt Liberty City, macht sich aber sehr gut als Gangsta-Paradies.

In den Hauptmissionen nehmen die Saints schrittweise das Syndikat und dessen Bosse auseinander. Diese Auseinandersetzungen karikieren das Action- und Blockbuster-Kino der Gegenwart so gekonnt, dass der Spieler inmitten dieser Eruption der Gewalt gar nicht anders kann als immer mal wieder laut zu lachen. Gegen den Riesen Killbane steigt man in den Wrestling-Ring, das geniale Computerkid wird im Cyberspace bekämpft - wo sich der Spieler damit abfinden muss, wie eine Toilette auszusehen. Und auch Zombies kommen im letzten Spieldrittel vor. Die Untoten sind in der Unterhaltungsindustrie einfach nicht totzukriegen.

Der Spielwitz passt, die Action auch. Saints Row nimmt seine Charaktere so ernst wie Quentin Tarantino und Barry Sonnenfeld (Addams Family, Men in Black) ihre Filme. Die Grafik hat zwar kein GTA-Niveau, aber man sieht inmitten dieses irrwitzigen Spetakels schnell und gerne über leichte Alterserscheinungen der Engine hinweg. Wer im Moment davon genervt wird, mit einer Frau oder Freundin die Teenie-Romantik-Katastrophe Twilight im Kino ansehen zu müssen, sollte danach zu Saints Row The Third greifen. Es hilft. Jörg Pistorius

Saints Row The Third: Entwickler Volition, Publisher THQ. Erschienen für Xbox 360 (getestet), PC und Playstation 3. Frei ab 18 Jahren.

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