Shadows of The Damned: Eine virtuelle Höllenfahrt

Shadows of The Damned: Eine virtuelle Höllenfahrt

Gegen die Mächte der Hölle sind Computerspieler schon oft angetreten. So absolut abgedreht und nicht jugendfrei wie in Shadows of The Damned ging es dabei allerdings noch nie zur Sache. Es scheint, als ob der generell recht brave Branchenriese Electronic Arts im Sommergeschäft einen durchgeknallten Doppelschlag landen wollte. Shadows of the Damned ist noch wahnsinniger als Alice: Madness Returns.

2010 hatte Electronic Arts den Actiontitel Dantes Inferno auf die Menschheit losgelassen und darin die Ochsentour des Kreuzritters Dante durch die Kreise der Hölle thematisiert. Die lose inhaltliche Verbindung zu Dante Alighieris Göttlicher Komödie - DEM Jahrhundertwerk mittelalterlicher italienischer Dichtung - machte das Gemetzel noch interessanter. Doch im Vergleich mit Garcia Hotspur, dem Protagonisten von Shadows of the Damned, wirkt Dante wie Nils Holgersson.

Das ist auch kein Wunder. Goichi Suda, Künstlername Suda51, war ausführender Produzent von Shadows of the Damned. Suda51 hat abgedrehte Titel wie No More Heroes geschaffen und damit einige Tabus gebrochen. Wenn dann noch Shinji Mikami, einer der Köpfe hinter Resident Evil, und Komponist Akira Yamaoka (der Sound Director von Silent Hill) dazukommen, kann man sich denken, dass daraus kein Kindergeburtstag entsteht. In Shadows of the Damned folgt man dem Dämonenjäger Garcia Hotspur tief in eine völlig irrsinnige Neuerfindung der Hölle, aus der er Paula, die Liebe seines Lebens retten muss, indem er mit der Macht des Lichts die Armeen der Finsternis besiegt. Während sich Garcia seinen Weg durch die Stadt der Verdammten kämpft, um seine Liebste zu retten, wird er von Johnson unterstützt, einem ehemaligen Dämon mit der Fähigkeit, sich in eine Auswahl an bösartigen Waffen zu verwandeln. Noch Fragen?

Garcia nimmt die Hölle auseinander. Was der Spieler während des Rachefeldzugs dieser Ein-Mann-Armee mitansehen muss, sprengt sehr oft die Grenzen des Mainstream-Action-Kinos. Und des guten Geschmacks. Erfreulicherweise. Die Spielwelt ist eine riesige Ballung an sexuellen Anspielungen und auch Pervertierungen. Garcia flucht wie ein Walfänger, während und bevor er seine höllischen Widersacher in ihre Einzelteile zerlegt. Allein schon akustisch ist dieses Spiel ab 18. Dennoch erscheint das Spiel auch in Deutschland ungeschnitten und ohne grafische Änderungen. Die Gegner optischer Entschärfungsmaßnahmen werden sich freuen.

Offenbar hat der strenge deutsche Jugendschutz verstanden, dass weder die Schöpfer noch die Spieler diesen Titel bierernst nehmen. Dämonen sind nicht kugelfest - diesem Motto folgt Garcia und tritt mit Pistole, Schrotflinte und MG gegen die Hölle an. Dabei heraus kommt eine abgedrehte Ballerei, die ihre Stärken besonders bei den taktisch anspruchsvollen Bosskämpfen präsentiert. Fazit: Shadows of the Damned provoziert und polarisiert. Technik, Design und Gameplay spielen in der obersten Liga. Wer oft unter der erzwungenen Massentauglichkeit vieler aktueller Titel leidet, wird sich freuen, hier einen Shooter zu finden, der sich nicht um Regeln und Mainstream schert, sondern es wagt, markttypische Tabus zu brechen. Jörg Pistorius

• Shadows of the Damned: Entwickelt von Grasshopper Manufacture, veröffentlicht von Electronic Arts. Erschienen für Xbox 360 und Playstation 3. Frei ab 18 Jahren.

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