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Casino
Spielbanken - Eine Branche unter Druck

FOTO: michal parzuchowski / unsplash.com
In den vergangenen Jahren hatten es Spielbanken wahrlich nicht leicht. Immer mehr wurden sie von der medialen Darstellung und der europäischen Gesetzgebung in die Ecke gedrückt. Nur folgerichtig war die Reduktion der Spielerschaft, die passende Alternativen für den Besuch fand. In den vergangenen Monaten besserten sich die Zahlen für landbasierte Spielbanken wieder. Ein kurzer Blick auf die aktuelle Lage zeigt dennoch, welche Gräben noch überwunden werden müssen.

Es war vor allen Dingen die neue digitale Konkurrenz, die den Spielbanken zu schaffen machte. Seit einigen Jahren haben Spieler die Gelegenheit, mit wenigen Klicks ein Online Casino zu besuchen. Aus nachvollziehbaren Gründen ist dieses dazu in der Lage, ein reichhaltigeres und attraktiveres Angebot auf seiner Seite zu formen. Dies reduzierte die Rolle des klassischen Casinos im Laufe der Jahre immer mehr. Obwohl der deutsche Staat bislang keine Konzessionen an solche Anbieter ausgibt, fanden diese über andere EU-Staaten einen Weg, um ihr Angebot dennoch legal auf den Markt zu bringen und davon finanziell zu profitieren.

Besonders die Schweiz grenzte sich klar von dieser Entwicklung ab. Mit dem Geldspielgesetz wurde ein noch schärferes Vorgehen gegen die Online Casinos juristisch begründet und ermöglicht. Die Spieler selbst werden in der Folge vor weiteren Einschränkungen stehen.

Die deutsche Regulierung

Auch in Deutschland zielt der Glücksspiel Staatsvertrag ganz klar darauf ab, den Online Anbietern das Spiel zu erschweren, der allerdings weniger drastisch ausfällt, als das schweizerische Geldspielgesetz. Diese sollen erst gar keine Chance mehr bekommen, um die Grauzone des Marktes zu erreichen, die in diesen Tagen eine finanziell so wichtige Rolle spielt. Dennoch lässt sich die große Bedeutung des Online-Angebots als Zugpferd für das Casinowesen nicht leugnen. Im World Wide Web gelingt es den Unternehmen, eine weit größere Zahl an Spielern anzusprechen. Nicht zuletzt sind dafür die verschiedenen Bonusangebote verantwortlich, mit denen sich die Firmen aktuell immer wieder selbst übertreffen. So erhalten die Spieler direkt nach ihrer ersten Einzahlung auf ein eröffnetes Konto einen zusätzlichen Betrag gutgeschrieben. Dieser steht ihnen zwar für das Spiel, aber noch nicht für eine Auszahlung bereit. Auf diese Weise soll eine Bindung zum Sortiment hergestellt werden, durch die der Spieler später dazu bereit ist, echtes Geld in die verschiedenen Automaten zu investieren.

Die Grenzen der landbasierten Casinos

Klassische Casinos blicken mit Neid auf die Möglichkeiten, die Online Casinos zur Verfügung stehen. Selbst in der Kategorie der Spielautomaten sind sie selbst nicht dazu in der Lage, derart hohe Auszahlungsquoten zu bieten. Dies hat damit zu tun, dass sie höhere Kosten zu tragen haben, die zum Beispiel durch die angemieteten Flächen und das zu bezahlende Personal entstehen. In der Folge klafft eine Lücke in der Bilanz, die nur durch die Einsätze der Spieler aufgefüllt werden kann. Auf dieser Grundlage der Finanzierung sind landbasierte Online Casinos stets anfälliger, als dies bei ihren Online-Kollegen der Fall ist. An und für sich ist es schon aus diesem Grund wichtig, in beiden Kategorien einen Blick auf die verschiedenen Besonderheiten zu werfen und keine pauschale Aussage über diese so unterschiedlichen Bereiche derselben Branche zu treffen.


Auch die Größe des Angebots ist bei einem klassischen Casino klar begrenzt. Während digitale Anbieter dazu in der Lage sind, viele hundert Slots in ihr Sortiment aufzunehmen, müssen landbasierte Unternehmen bei ihrer Rechnung verschiedene Faktoren mit einbeziehen. So wird für einen neuen Slot mitsamt dem passenden Sitz für den Kunden eine Fläche von zwei bis drei Quadratmetern benötigt. Hinzu kommt die Tatsache, dass der Spielautomat durch die hohen Stromkosten negativ zu Buche schlagen kann, wenn er einen Großteil der Zeit nicht besetzt werden kann. Hier stoßen klassische Casinos also an Grenzen, wie sie bislang noch nicht überwunden werden konnten.

Das Flair als Stärke

Nach wie vor wird das Flair eines klassischen Casinos als eine große Stärke erachtet. Denn nicht zuletzt durch die mediale Darstellung verbinden viele Menschen Poker, Black Jack und Co. mit dem Besuch in einer Spielhalle. Doch nur klassische Unternehmen sind dazu in der Lage, einen attraktiven Eindruck von diesen Spielen zu vermitteln. Schließlich ist es auch die kommunikative Ebene, die bei einem Besuch am Spieltisch eine große Rolle spielt. Bislang entsteht hier eine Nische, die klassische Casinos besetzen können, um sich klar von der digitalen Konkurrenz abzusetzen. Denn im Rahmen der abendlichen Gestaltung wirkt ein Besuch in der obersten Etage eines luxuriösen Gebäudes nach wie vor ansprechender, als die Nutzung einer bestimmten Webseite.

Die Zukunft des Casinospiels könnte nach der Meinung mancher Experten mit beiden Welten verbunden sein. Auf der einen Seite sind die Errungenschaften nicht zu leugnen, wie sie digitale Anbieter in die Branche einbrachten. Sie machten das Spiel für die Akteure nicht zuletzt aus finanzieller Sicht attraktiver. Vielleicht wird das Online Casino in Zukunft von passionierten Profis eher als Trainingsarena betrachtet. Erst im Anschluss an die Erprobung eines Spiels wäre es dann auch möglich, die bereits erworbenen Kenntnisse in die Praxis zu übertragen und sich in eines der vielen großen Casinos zu begeben. Ein solches Nebeneinander könnte dafür sorgen, dass beide Zweige des Spiels weiter erhalten bleiben und ihre Daseinsberechtigung nicht in den Schatten stellen müssen. Profiteure dieser Entwicklung sind in jedem Fall die Spieler. Einerseits liegt dies an der Erweiterung des Angebots, wie es im Laufe der Jahre zustande gekommen ist. Auf der anderen Seite besserten sich auch die finanziellen Aussichten, wie sie mit den eigenen Aktivitäten im Casino verbunden sind.