Spiele um echtes Geld im Kinderzimmer

Kostenfalle : Spiele um echtes Geld im Kinderzimmer

Apps alleine werfen zwar Gewinne ab, doch richtig viel verdient wird mit ihnen im Regelfall nicht. Zwar gibt es in diesem Kontext den einen oder anderen Sonderfall, aber das große Geld wird anderweitig generiert.

Über die virtuellen Einsätze etwa, als Beispiel in Form von spielinterner Währung, zieht man den Spielern Bares aus der Tasche. Im Gegensatz zum regulären Glücksspiel, bei denen Anbieter immer wieder in großen Vergleichen analysiert werden und sich einer wachsenden Beliebtheit erfreuen, geht das herkömmliche Gaming einen anderen weg und verursacht schwerwiegende Probleme. Denn wer sich bewusst auf ein Spiel im Online-Casino oder einer Spielbank einlässt, kann verantwortungsvoll an seine Freizeitgestaltung herangehen. Kinder hingegen, die über herkömmliche Spiele-Apps in die Kostenfalle schlittern, haben diese Chance selten.

So beginnt der Weg für viele Kinder ähnlich. Mit dem ersten Smartphone erschließt sich die riesige bunte Welt der Spiele-Apps. Das Prinzip beim Großteil ist gleich: Free to Play, kurz F2P. Angebote also, die kostenlos installiert und gespielt werden können. Der Haken jedoch ist, dass diese sich irgendwann dann eben nicht mehr ganz ohne Geld spielen lassen. So beginnt es mit kleinen Beträgen - 0,99 Euro, 1,99 Euro. Doch nach oben hin sind kaum Grenzen gesetzt. 100 Euro und mehr sind selbst in den besten Spiele-Apps üblich. Dabei bieten sie nur mit Chancen von einem Prozent und weniger das, was es braucht, um einen tatsächlichen Spielfortschritt zu gewährleisten. So lassen sich heute Kinder Guthabenkarten zum Geburtstag oder Weihnachten schenken, um Outfits, Ingame-Währung oder digitale Gebäude zu kaufen. Aber auch Fälle, in denen Geld aus dem Portemonnaie der Eltern gestohlen wird, sind nicht unüblich. Dieses wird dann an Ältere weitergegeben, die wiederum eine Gutscheinkarte kaufen. Betroffene berichten von 10.000 Euro und mehr innerhalb weniger Jahre.

Und die Branche jubiliert. Denn mit diesen Mini-Zahlungen werden Milliarden-Umsätze über die Spiele bei Google oder Apple generiert. So können etwa bei "Clash of Clans" virtuelle Juwelen gekauft werden. Mindesteinsatz sind 5,49 Euro. Wer eine ganze Kiste haben will, muss bereits 109,99 Euro hinblättern. Dabei hat der Spieler natürlich keinen Zwang die Angebote zu kaufen. Dennoch lässt sich so eine Überlegenheit schaffen. Und die Anbieter solcher Apps zeigen ganz klar, dass es nicht um Strategie, Spielgeschick oder Zeitaufwand geht - sondern um Geld.

So verschwinden die Grenzen zwischen Videospiel und Glücksspiel immer mehr. Das klassische Glücksspiel wirkt zunehmend wie ein Geschicklichkeitsspiel während die Spiele-Apps immer mehr zum Glücksspiel avancieren. Etwas Ähnliches belegen auch die Zahlen. So ist der Absatz von Computerspielen seit zehn Jahren sinkend. Im Gegenzug jedoch steigen die Gewinne aus Einnahmen der Mikrotransaktionen, die in Online-Spielen und Browser-Games getätigt werden. 2016 lag der Gewinn der Free2Play-Games bei acht Milliarden Euro. Alleine im August 2019 konnte "Coin Master" 6,13 Millionen US-Dollar Umsatz in Deutschland verbuchen. Knapp dahinter liegt "Pokémon Go" mit 3,37 Millionen und "Clash of Clans" schafft es mit 1,54 Millionen noch auf Rang 7.

Natürlich basiert der Umsatz nicht nur auf Kindern und Jugendlichen - die genannten Spiele-Apps sind aber auch für diese frei zugänglich. Zudem wird die Zielgruppe über die Werbung gezielt angesprochen. Daher sollten Eltern sich zusammen mit ihren Kindern mit dem Thema auseinandersetzen. Und der Einfallsreichtum der Branche endet nicht bei Mini-Transaktionen und Lootboxen. So schafft sie immer wieder neue Geschäftsmodelle, die sich irgendwo zwischen Glücksspiel und klassischem Game ansiedeln lassen. Oft sind es bloße Kopien des bereits vorhandenem - nur unter anderem Namen.

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