Test von L.A. Noire im Trierischen Volksfreund

Spiele : Die dunklen Seiten von L.A.

Rockstar bringt seinen Hit von 2011 noch einmal heraus. Kann der Detektiv-Klassiker L.A. Noire auf der aktuellen Konsolengeneration funktionieren? Aber klar kann er.

Cole Phelps war Offizier der US Marines und kämpfte während des Zweiten Weltkriegs im Pazifik gegen die Japaner. Nach Kriegsende ging er zum Los Angeles Police Departement. Ein guter Cop in einer von Korruption, Kriminalität und Gewalt geprägten kranken Gesellschaft. Der vom Spieler gesteuerte Phelps stößt auf Männer, die ihre Frauen schlagen, Kinderschänder, Sexualverbrecher, Mörder und andere kranke Gestalten.

Schießen darf Phelps nur selten und meist in schnellen Street-Crime-Einsätzen, wenn die Zentrale ihn und seinen Partner zum nächsten Raub, Banküberfall oder sonstigen Notfall schickt. Um im Spiel und in seiner Karriere voranzukommen, muss Phelps Hinweise sammeln, Zeugen befragen, Zusammenhänge herstellen und diese im Schlussverhör zur Anklage zusammenfügen. Simplifizierte Polizeiarbeit ohne Schusswaffeneinsatz.

L.A. Noire aus der Softwareschmiede Rockstar war 2011 ein besonderes Spiel. Kein Actionkracher wie die Grand Theft Auto-Serie, deren fünfter Teil zu den besten Spielen überhaupt gehört, sondern langsamer in Ablauf und Erzähltempo, basierend auf Intensität und Atmosphäre. Mit diesem Titel wagt Rockstar einen Schritt, der auf dem Spielemarkt eher selten ist, weil er Risiken trägt. L.A. Noire wurde ein zweites Mal veröffentlicht, überarbeitet für die aktuelle Hardwaregeneration. Der Spieler übernimmt wieder die Rolle von Cole Phelbs, dieses Mal auf Xbox One, Playstation 4 oder Nintendo Switch.

LA Noire setzt die handelnden Figuren in eine düstere und deprimierende Atmosphäre. Phelps soll eine Serie brutaler Morde an Frauen aufdecken, doch sein Partner, der Captain des Morddezernats und der Bezirksstaatsanwalt halten ihre bigotten Wertesysteme, die Schlagzeilen der Presse und die Wiederwahl für wichtiger als die Wahrheit. Da landet nicht immer der Schuldige hinter Gittern. Phelps kämpft, aber schon früh ist klar, dass er das System nicht verändern kann. Der gute Cop steht und kämpft allein.

Dieser Kampf besteht in der Hauptsache aus Ermittlungen und Befragungen, gelegentlich unterbrochen von GTA-typischen Schießereien und Verfolgungsjagden. Die Gesichter der handelnden Figuren verdienen hier besondere Aufmerksamkeit. 2011 waren sie so plastisch und detailliert wie in keinem Computerspiel vorher. Wahrheit, Lüge, Zweifel, Furcht: Der Spieler kann die Emotionen ablesen und die richtigen Schlüsse ziehen. Diese Schlüsse sind allerdings in den meisten Fällen ebenso einfach wie das Finden aller Hinweise und Beweismittel an den Tatorten.

Die aktuelle Fassung sieht toll aus. Sowohl die Spielwelt als auch die Fahrzeuge und Figuren sind remastered ein optischer Knaller. Außerdem gibt es für die Konsolen von Microsoft und Sony auch neue Perspektiven und für die Switch eine komplett neue Touchscreen-Steuerung. Sogar an die Spielstruktur selbst hat Rockstar nochmal Hand angelegt und die Dialogauswahl in den Verhören - einem Kernelement des Spiels - optimiert.

Fazit: Wer L.A. Noire 2011 verpasst hat, sollte einen Blick auf den Titel werfen, denn er gehört bis heute zu den ungewöhnlichsten Werken von Rockstar und zu den besten Detektivspielen überhaupt.

L.A. Noire: entwickelt von Team Bondi, veröffentlicht von Rockstar Games, erschienen für Nintendo Switch (getestet), Playstation 4 und Xbox One. Für die VR-Brille HTC Vive ist zudem die spezielle Virtual-Reality-Version „The Case Files“ erschienen, die hervorragend funktioniert. Frei ab 16 Jahren.