Viele verpasste Chancen

Viele verpasste Chancen

Wieder ist ein Jahr rum, wieder steht ein neuer Fußball-Manager aus dem Hause EA Sports in den Läden - und wieder wurden jede Menge Chancen vergeben, das Spiel wirklich besser zu machen. Der TV hat das Spiel unter die Lupe genommen.

Die Fußball-Manager-Reihe aus dem Hause EA Sports gehört seit Jahren zum Besten, was Sport-Wirtschaftssimulationen zu bieten haben. Das ist auch in der 2011er Version nicht anders. Und doch liegt genau darin die Crux: Denn jenseits kleinerer Verbesserungen entwickelt sich das Spiel kaum weiter.

Der 2011er Manager spielt sich nicht wirklich anders als die 09er Version. Sogar die Optik ist größtenteils dieselbe. Groß angekündigte Neuerungen wie in diesem Jahr das veränderte Spielerstärkensystem sind nicht viel mehr als kleine, kosmetische Veränderungen.

Einstieg in die laufende Saison



Beispiel gefällig? So können sich die Manager mittlerweile vor einem Transfer lobend über einen Wunschspieler äußern. Damit verbessert sich im Idealfall die Chance, dass der Spieler wirklich zu einem kommt. Verändert hat sich auch der Bereich mit den taktischen Einstellmöglichkeiten.

Diese werden jetzt vor einem Spielfeld dargestellt, die eigentlichen Taktiken (Passlänge oder Position der Abwehrreihe) sind nahezu dieselben. Neu hinzugekommen ist lediglich die Länge der Abstöße und ob Ecken eher lang oder eher kurz ausgeführt werden sollen. Eher für die 3D-Spieldarstellung interessant ist die neue Möglichkeit, die Laufwege der Spieler festzulegen.

Ein neues Feature ist zudem die neue Live-Saison: Wer also die Schalker aus dem Tabellenkeller führen oder die Bremer Krise beenden will, kann zum aktuellen Zeitpunkt in die Saison einsteigen und einen Verein übernehmen. Allerdings lässt sich EA dieses Angebot zusätzlich bezahlen.

Mehr als ärgerlich ist, was seit Jahren unverändert geblieben ist. So basiert die 3D-Spieldarstellung immer noch auf einer völlig veralteten Engine, die schon im vergangenen Jahr eher peinlich war. In diesem Jahr ist sie schlicht unzumutbar. Da laufen die Spieler immer noch unmotiviert ins Aus, ignorieren den Ball vor ihren Füßen oder drehen fröhlich Kreise um ihre Gegenspieler. Wer aktuelle Spiele wie Fifa 11 damit vergleicht, wendet sich mit Grausen ab.

Gut, dass man auf den guten, alten Textmodus ausweichen kann, der angesichts der Alternativen zur besten Art wird, die Auftritte der eigenen Mannschaft zu verfolgen - auch wenn man dabei die völlig sinnentleerten Hinweise des Co-Trainers ignorieren muss. Der meint etwa, bei einer 2:0-Führung seien Konter nicht hilfreich oder man solle mit mehr Einsatz spielen, obwohl der schon auf Maximum steht.

Auch im Bereich der Taktik gibt es Verbesserungspotenzial. So kann man zwar seine Scouts beauftragen, die künftigen Gegner zu beobachten. Doch liefern diese nur Daten über einzelne Spieler. Rezepte, ob die Mannschaft etwa bei hohen Flanken anfällig ist oder ob sie gut gegnerische Abseitsfallen aushebeln kann, bekommt man nicht.

Nicht minder ärgerlich ist der völlig verkümmerte Medienbereich. Die Fragen bei den spärlichen Interviews sind seit Jahren dieselben. Die Sportzeitung besteht nur noch aus Überschriften ohne weiteren Text. Regelmäßige Pressekonferenzen mit Fragen, die einen Bezug zur aktuellen Situation haben? Fehlanzeige.

Der Fußball-Manager 2011 ist nach wie vor ein solider Manager. Aber es wäre zu wünschen, dass man sich endlich vom jährlichen Erscheinungsrhythmus trennt und Zeit findet, das Spiel komplett zu überarbeiten. Nach Jahren, in denen im Prinzip etwas aufgestockte Updates zum vollen Preis verkauft worden sind, ist die Zeit überreif für eine komplette Überarbeitung. Ansätze für wirkliche Verbesserungen gibt es genug.

Mehr von Volksfreund