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Wie Zeichentrick auf Ecstasy

Wie Zeichentrick auf Ecstasy

Ehrenvoller Zweikampf mit Blitz und Donner, Hals- und Beinbruch auf dem Skateboard, ein interaktiver Horror-Film und die Rückkehr des Paten Don Michael Corleone - der Spiele-Markt hat den Winterschlaf beendet. Der TV testet vier aktuelle Titel.

Street Fighter IV (Capcom): Zwei Figuren hauen sich gegenseitig auf die Glocke - ein mit Sicherheit sehr simples Spielprinzip. Simpel und sehr erfolgreich. Die Street-Fighter-Serie geht weit zurück in die Frühphasen der Videospiel-Geschichte, als die Fans noch mit schweren Hosentaschen, in denen die Markstücke klimperten, in Eisdielen und Spielsalons gegeneinander antraten.

Der erste Teil von Capcoms Kult-Serie erschien in den 80ern und war noch nicht besonders spektakulär, aber Street Fighter II revolutionierte das Genre in den 90ern mit einem hervorragend spielbaren Kampfsystem. Angriffe und Blocks waren sehr gut ausbalanciert. Profis konnten mit komplexen Tastenfolgen spektakuläre Angriffe auslösen. Street Fighter II war eines der ersten Videospiele, das verfilmt wurde, und zwar miserabel. Jean-Claude van Damme spielte mit.

Street Fighter IV erfindet sich nicht neu, im Gegenteil: Der Fan erkennt Ryu, Guile und andere Figuren inklusive ihrer speziellen Bewegungen sofort wieder. Immer noch sind die Kämpfer in einem Comic-Stil dargestellt, ihre Attacken und Bewegungen wirken wie hyperaktive Zeichentrick-Figuren auf Ecstasy. Street Fighter IV ist eine Hommage für Veteranen und eine unkomplizierte Neuentdeckung für Fans, die in den frühen 90ern noch nicht allein in die Eisdiele durften.

Skate 2 (Electronic Arts): Skaten ist in der Realität harte Arbeit und endet oft genug mit Hautabschürfungen oder sogar Knochenbrüchen. Skate 2 erspart dem Spieler die Schmerzen, fordert aber auch im virtuellen Skater-Paradies San Vanelona Geduld und Ausdauer. Denn die tollen Tricks gelingen nicht sofort.

Skate 2 bietet eine Steuerungsmethode, die Electronic Arts "Flickit" getauft hat. Die Buttons des Xbox-360-Controllers steuern die Füße des Skaters. Die Koordination und das Timing der Tricks laufen über die beiden Analog-Sticks. Die Steuerung hat der Spieler intuitiv sehr schnell drin, doch bis zum ersten gelungenen und wirklich spektakulären Trick gilt das Motto üben, üben, üben.

Resident Evil V (Capcom): Vorsicht, dieses Spiel erfordert starke Nerven. Die Hauptfiguren in Capcoms Resident-Evil-Serie hatten immer schon ein hartes Dasein. Ständig waren sie umgeben von Untoten und missgestalteten Monstern, die ihnen an jeder Ecke nach dem virtuellen Leben trachteten. Resident Evil richtet sich nach der klassischen Form des Horrorfilms, die in den 80ern alle Grenzen sprengte und auch in den letzten Jahren mit jeder Menge Neuverfilmungen von "The Fog" über "Halloween" bis zum Urheber der weltweiten Zombie-Welle, "Dawn of the Dead", neue Erfolge feierte.

Auf den fünften Teil der Resident-Evil-Reihe, deren erster Teil 1996 für die Playstation erschien, hat eine weltweite Fangemeinde gewartet. Sie wurde nicht enttäuscht. Der Spieler steuert den Agenten einer Sondereinheit zur Bekämpfung von Terrorismus mit biologischen Waffen. Die Jagd auf einen Waffenhändler führt ihn nach Afrika - wo er neben diesem Waffenhändler auch ein mörderisches Virus und jede Menge von diesen infizierte Kreaturen findet. Dieses Virus sorgt nicht für eine freundliche Gesinnung.

Der Spieler steuert seinen Protagonisten durch ein Spiel, das wie ein Film inszeniert ist - mit in Echtzeit berechneten Hintergründen, vielen sehr guten Zwischensequenzen und - natürlich - Schockeffekten ohne Ende. Das Bestiarium der Gegner ist riesig, manche füllen mehrere (!) Bildschirme. Resident Evil V ist frei ab 18 Jahren.

Der Pate II (Electronic Arts): Spiele, die auf Film-Lizenzen basieren, haben keinen guten Ruf. Toller Film, aber mieses Spiel - die Video- und Computerspielgeschichte der letzten 25 Jahre ist voll von solchen Beispielen. Schlimme Befürchtungen wurden wach, als Branchenriese Electronic Arts vor drei Jahren ein Spiel präsentierte, das auf dem erfolg- und einflussreichsten Gangster-Epos aller Zeiten basierte. Der Pate als Spiel. Kann das gutgehen?

Es ging gut. James Caan, Robert Duvall, Al Pacino und sogar Marlon Brando sahen auch im Spiel echt aus, verhielten sich echt und klangen echt. Die Handlungen von Spiel und Film berührten sich gelegentlich, die Atmosphäre stimmte.

Der Erfolg war auch kommerziell so groß, dass ein zweiter Teil folgte. Das zweite Spiel orientiert sich am zweiten Paten-Spielfilm: Die vom Spieler gesteuerte Figur folgt dem Paten, Don Michael Corleone, zuerst nach Cuba und dann nach New York, und unterstützt ihn mit brachialen Methoden im Aufbau eines Gangster-Imperiums.

Der Spieler übernimmt nach und nach einzelne Betriebe, Kartelle und schließlich komplette Familien mit den Genre-üblichen Methoden: Erpressung und Gewalt. Die recht harte Action des Vorgängers bietet auch Teil zwei, deshalb ist der Pate weiterhin erst frei ab 18 Jahren. j.e./dr