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Xbox One und Playstation 4: Freude und Frust der Spielefans

Xbox One und Playstation 4: Freude und Frust der Spielefans

Die Videospielkonsolen Xbox One und Playstation 4 sind zurzeit die begehrtesten Produkte im großen Markt der Unterhaltungselektronik. Käufer stürmten die Filialen der großen Händler. Doch viele Fans sind mittlerweile enttäuscht: Beide Maschinen zeigen Kinderkrankheiten und auch strukturelle Schwächen.

Trier. Die Vorfreude war enorm: Millionen Spieler fieberten weltweit den Verkaufsstarts der Xbox One von Microsoft und der Playstation 4 von Sony entgegen. Als die Xbox One am 22. November in die Läden kam, war sie zwar schnell vergriffen, aber dennoch lief die Markteinführung ruhig und ohne Zwischenfälle ab.
Das änderte sich eine Woche später, als Sony die 100 Euro günstigere Playstation 4 in den Verkauf brachte. Horden von kaufwilligen Fans stürmten die Elektronikhändler und kämpften um die wenigen vorhandenen Konsolen. Regale fielen um, Menschen wurden regelrecht niedergetrampelt. In Trier hielt die Eingangstür eines Kaufhauses in der Innenstadt dem Druck nicht stand und ging zu Bruch (der TV berichtete). Die Videos vom Chaos am ersten Verkaufstag machten sofort die Runde auf Youtube.
Inzwischen hat sich die Lage beruhigt. Mehr noch: Die Ekstase weicht der Ernüchterung. Beide Konsolen zeigen Schwächen, die viele Fans verärgern und die man bei der neuen Generation der Videospielhardware nicht erwartet hätte. Vor allem die Xbox One steht hart in der Kritik.

Das ruckelnde Bild: Microsoft hat eine Konsole konstruiert, die nicht nur Spiele laufen lassen, sondern als Medienzentrale im Wohnzimmer funktionieren soll. Fernsehen, Pay-TV, Heimkino - alles soll über die Xbox One laufen. Allerdings nicht in Europa, denn Microsoft hat ein Gerät erschaffen, das ausschließlich die Normen der USA bedient. Europa guckt in die Röhre.
In den USA liegt die Bildwiedergabefrequenz bei 60 Hertz, in Europa dagegen bei 50 Hertz. Das war schon immer so. Umso erstaunlicher ist es, dass Microsoft diesen Umstand völlig ignoriert und der Xbox One keine Möglichkeit eingebaut hat, die US-Frequenz zu ändern.
Wer die Konsole in Deutschland tatsächlich als Medienzentrale nutzen will und sie mit einem TV-Receiver oder dem Kabelnetz verbindet, sieht auf seinem Bildschirm ein Programm, das mit europäischen 50 Hertz in der Konsole landet, von dieser aber mit amerikanischen 60 Hertz ausgegeben wird. Die Folge ist ein hässliches Ruckeln.

Die Medienzentrale ohne Medien: Nicht nur technisch, sondern auch strukturell sind die Fernsehfunktionen der Xbox One komplett auf den US-Markt ausgerichtet. Europäische Bezahlsender wie Sky TV werden nicht unterstützt. Der elektronische Programmführer erkennt keine deutschen Sender.

Die Entmachtung des Nutzers: Die Konsole erlaubt dem Nutzer keine Verwaltung des Speichers - man hat auf die Inhalte der Festplatte schlicht keinen Zugriff. Viele Nutzer suchten nach dem Einschalten der Xbox One mit zunehmender Verzweiflung dieses nicht existierende Feature.

Die Sprachhürde: Spiele leiden ebenso wie Filme immer mal wieder unter grottenschlechten Synchronisationen. Deshalb schalten viele Spieler gerne auf den englischen Originalton eines Titels um - sofern das möglich ist und das Spiel diesen Service anbietet. Die Xbox One macht dieses Umschalten schwieriger: Wer seiner Xbox die englische Sprache beibringen und die Möglichkeit testen will, Spiele im Originalton zu hören, muss in der Systemverwaltung die Heimatregion ändern. Das hat zur Folge, dass man nicht mehr online im deutschen Store einkaufen kann. Jedes Umschalten der Region ist mit einem Neustart der Konsole verbunden.

Die Arbeitsverweigerung: Die Xbox One gibt weder MP3 noch MP4 wieder. Fotos, Videos und Musik auf USB-Sticks oder externen Festplatten spielt die Konsole nicht ab - die Playstation 4 tut das ebenfalls nicht.
Wo sind die Killer? Beide Konsolen bieten ein Portfolio an Starttiteln an. Eine neue Konsolengeneration hat normalerweise zumindest ein paar Killer Applications im Gepäck. So nennt der Jargon Spiele, die so unglaublich gut sind und die Stärken der neuen Hardware derart überzeugend darstellen, dass der Fan sie zum Verkaufsstart unbedingt haben muss. Doch hier glänzt keine der beiden Maschinen. Microsoft bietet das optisch großartige und inhaltlich mittelmäßige Actionspektakel "Ryse - Son of Rome" und das Rennspiel "Forza Motorsport 5" als Exklusivtitel für die Xbox One an. Sony präsentiert als Alleinstellungsmerkmal für die Playstation 4 das Ballerspiel "Killzone Shadowfall", den Arcade-Shooter "Resogun" und das Actionspiel "Knack". Allesamt gute Spiele, gar keine Frage. Ein echter Killer ist jedoch nicht dabei.

Das blaue Licht des Todes: Der begeisterte Fan steht am ersten Verkaufstag stundenlang Schlange, boxt sich durch die Scharen der Konkurrenten, ergattert eine Playstation 4, trägt sie freudetrunken nach Hause und schließt sie an. Die Maschine gibt ein blaues Leuchten über ihre Lichtleiste von sich, verweigert Bild- und Tonausgabe, schaltet sich komplett ab und bleibt fortan stumm.
Dieser Effekt machte als "Blue Light of Death" in den USA die Runde und kam auch schnell nach Deutschland. Die Ursache ist eine fehlerhafte Synchronisation der HDMI-Schnittstelle. Betroffene Erstkäufer ärgerten sich schwarz, zumal die schnell von Sony organisierten Support-Webseiten kaum helfen konnten und Austauschkonsolen nicht zur Verfügung standen. Das Problem kann weiterhin auftreten.
Die Preise: Die Xbox One ist mittlerweile wieder in vielen Fachmärkten und im Internethandel für 499 Euro erhältlich. Die Playstation 4, sie kostet 399 Euro, kann dagegen weiterhin nur vorbestellt werden.Meinung

 Der Verkaufsstart der Playstation 4 sorgte im November für Tumulte in vielen Elektronikmärkten. Foto: Sony
Der Verkaufsstart der Playstation 4 sorgte im November für Tumulte in vielen Elektronikmärkten. Foto: Sony
 Die nächste Generation der Bewegungssteuerung Kinect ist fester Bestandteil der Xbox One. Foto: Microsoft
Die nächste Generation der Bewegungssteuerung Kinect ist fester Bestandteil der Xbox One. Foto: Microsoft
 Starke Inszenierung: Der Shooter Battlefield 4 ist für beide Konsolen erschienen. Foto: Electronic Arts
Starke Inszenierung: Der Shooter Battlefield 4 ist für beide Konsolen erschienen. Foto: Electronic Arts

Der Start ist misslungen

Von Jörg Pistorius

Wer auch immer die Entscheidung getroffen hat, die Xbox One als multimedialen Alleskönner zu präsentieren, liegt damit völlig falsch. Eine Videospielkonsole sollte ihre Ressourcen und Potenziale auf eine Disziplin konzentrieren: die Spiele. Doch statt in einer Kerndisziplin herausragend gut zu sein, versucht sich die Xbox One in mehreren Disziplinen und schneidet in vielen nur mittelmäßig ab. Niemand wird ernsthaft auf die Idee kommen, das Gerät außerhalb der USA als Medienzentrale für Fernsehen und Heimkino einzusetzen. Das Ignorieren der europäischen Bildwiedergabefrequenz von 50 Hertz ist bestenfalls eine bescheuerte Schlamperei und schlimmstenfalls erschreckende Arroganz und Ignoranz. Außerdem verschenkt Microsoft durch völlig unverständliche Verschlimmbesserungen einen entscheidenden Vorteil der Videospielkonsolen gegenüber dem PC: das übersichtliche, problemund frustfreie Handling. Die Benutzeroberfläche ist optisch sehr gewöhnungsbedürftig. Die Unfähigkeit, MP3- und MP4-Dateien abzuspielen, ist inakzeptabel, ebenso das Hin und Her bei Umstellungen der Sprache. Die Xbox One verweigert Selbstverständlichkeiten, die ihre Vorgängerin, die Xbox 360, noch problemlos beherrschte.

j.pistorius@volksfreund.de