| 15:09 Uhr

Blog
Bericht einer Auswanderin: Neustart hinter alten Mauern

 Diese Villa steht in Saras alter Heimat. In Swakopmund.
Diese Villa steht in Saras alter Heimat. In Swakopmund. FOTO: © katja (Creative Commons CC0) / pixabay.com
5,50 Millionen Menschen starrten am Montagabend gebannt in den Fernseher. Nicht etwa wegen dem Hochwälder Lothar, der leider leer ausging, sondern wegen einem anderen Detail: Die hübsche Polin Anna trägt einen Ring von ihrem Gerald, einem deutschstämmigen Farmer aus Namibia am Finger. Das heißt, dass Anna auch ihrer zweiten Heimat den Rücken kehren wird, um - nach dem Erfolg in der RTL-Kuppelshow "Bauer sucht Frau" - nach Namibia auszuwandern. Wie genau das nicht nur ohne Kameras funktioniert, sondern auch ohne Familie, Freunde und mit einem renovierungsbedürftigen Haus, berichtet Sara. Die junge Frau hat geerbt. Ein kleines Häuschen in Trier. Unbewohnbar. Soweit ist das nichts Neues, würde sie nicht von dort stammen, wohin Anna nun ihrem Gerald folgt: Afrika. Im Interview berichtet sie von ihren Erlebnissen.

Sara, wie groß war der Kulturschock, als du von Afrika nach Deutschland gekommen bist?

Sara: Ich weiß nicht, ob ich es als Kulturschock bezeichnen würde. Es war vielmehr eine Reise ins Ungewisse. Ein Aufbruch in ein neues Leben. Die deutsche Kultur ist mir ja keineswegs fremd. Meine Mutter ist Deutsche. Mein Vater ist aus Großbritannien. Groß geworden bin ich in Swakopmund. Der Ort ist eigentlich ein klassischer Touristen- und Ausflugsort. Als meine Eltern sich trennten und ich auf der Suche nach einer Perspektive für mich selbst war, dachte ich zunächst an eine Auswanderung in Richtung USA. Dann hat das Schicksal für mich entschieden. Die Schwester meiner Mutter ist verstorben. Und hat mir ihr Häuschen in Trier vermacht.

Das klingt nach einer wohlgeplanten und sortierten Auswanderung. War es das auch?

Sara: Nein, ganz und gar nicht. Eigentlich habe ich genau einen Koffer gepackt, habe einen Flug gebucht und bin geflogen. Vom Flughafen aus bin ich zum Haus gefahren und dann kam der eigentliche Schock an meiner ganzen Geschichte.

Der wie aussah?

Sara: Ich stand vor einem Haus, das ich nicht nur optisch abstoßend fand, sondern war auch massiv irritiert von der Enge. Ich sollte - würde ich hier bleiben wollen - Nachbarn haben. Das war wirklich neu für mich, deutlich neuer als die deutsche Sprache oder das deutsche Essen. Bereits als ich das Haus betrat, passierte das, was im Land meines Vaters ein Zeichen für "Charakter" ist: Das Hausboden knarzte schrecklich und ich hatte wahrlich Angst, mein neues Heim weiter zu erkunden.

So sieht der Kirchplatz in Saras neuer Heimat aus. In Trier.
So sieht der Kirchplatz in Saras neuer Heimat aus. In Trier. FOTO: © neufal54 (Creative Commons CC0) / pixabay.com

Oje, ich wäre vermutlich schreiend davon gelaufen und hätte den Schuppen verkauft. Du hattest einen anderen Plan, oder?

Sara: Genau. Ich habe mich durch die Dienstleistungsbranche Deutschlands gewühlt auf der Suche nach einem Modernisierungsprofi. Gelandet bin ich bei einem entsprechenden Dienstleister, der sich um verschiedene Baustellen am Haus kümmern kann und das war wirklich meine Rettung. Damit habe ich den Sanierungsprofi mit ins Boot genommen, der mir nun ein wahres Schmuckstück kreiert hat.

Von heute auf morgen ging das sicher nicht, oder? Was ist genau passiert?

Sara: Im Grunde hat er einfach Wort gehalten. Er hat genau das umgesetzt, was er von der Pike auf kann. Er hat meinen Altbau genau unter die Lupe genommen, mir erklärt, mit welchem Altbau-Typ ich es eigentlich zu tun habe und mir erläutert, wie wir aus dem Altbau ein Schmuckstück machen können. Aus der Bestandsaufnahme wurde ein Sanierungskonzept. Und dann bekam ich mächtig große Augen, kalte Füße und all das, was es an bildlicher Sprache noch für den Ausdruck größter Überraschung gibt.

Warum?

Sara: Ganz einfach: Dem Konzept lag auch eine Kostenkalkulation vor und die warf mich mächtig aus der Bahn. Doch der Dienstleister wusste wohl bereits im Vorfeld um meine Reaktion und hatte vorgebaut. Zum Finanzierungskonzept reichte er mir quasi unaufgefordert auch die Optionen zur staatlichen Förderung nach. Da ich mich mit so etwas noch nie auseinandergesetzt habe, ließ er mich damit nicht allein, sondern erläuterte mit einer schier endlosen Geduld, welche Möglichkeiten ich bei der KfW-Bank und bei der Bafa habe.

Was ist heute das Schmuckstück in deinem Häuschen?

Sara: Das ist einfach: die Fenster und Türen natürlich. Da mein Häuschen einfach nur alt, aber nicht denkmalgeschützt ist, konnte ich mich für die baulichen Varianten entscheiden, die zwar optisch das Alte widerspiegeln, aber inhaltlich natürlich für Komfort und Langlebigkeit stehen.

Kannst du uns ein Beispiel nennen?

Sara: Ja klar. Ich habe auf Kunststofffenster gesetzt. Allerdings in Holzoptik. So kombiniere ich Komfort und Optik.

Wohnst du schon in deinem Häuschen?

Sara: Ja. Ich war dort die ganze Zeit über. Ich konnte den Fortschritt der Umbaumaßnahmen begleiten und selbst Hand anlegen. Das hat mir gut getan. Ich war beschäftigt. Und irgendwie war ich nie allein. Häufig kamen Nachbarn, die neugierig waren und nicht nur kucken wollten, sondern auch Hilfe angeboten haben. So habe ich über das Haus auch n eue Freunde kennengelernt. Damit kann es jetzt losgehen - im neuen Leben hinter alten Mauern. Als Ausländer habe ich mich übrigens nie gefühlt, obgleich die Region um Mosel und Hunsrück wohl eine große Anziehungskraft hat, wie ich gelesen habe.