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Burg Nideggen: Was in der Eifel vom Mittelalter erhalten ist

Freizeit und Tourismus : Burg Nideggen: Was in der Eifel noch vom Mittelalter erhalten ist

Die Burg Nideggen ist das Wahrzeichen der Stadt Nideggen und eines der bedeutendsten Zeugnisse der Geschichte des Mittelalters im Rheinland. Im Burgenmuseum ist ihre bewegte Geschichte dokumentiert.

Wo liegt die Burg Nideggen?

Die Burg Nideggen liegt oberhalb der Kleinstadt Nideggen am Nordrand der Eifel im Nationalpark Eifel. Nideggen gehört zum Kreis Düren, der sich im Westen Nordrhein-Westfalens zwischen den Städten Aachen und Köln erstreckt und von der Rur durchflossen wird. Die rechteckige Höhenburg Nideggen wurde auf einem weithin sichtbaren, senkrecht abfallenden Felssporn aus Buntsandstein erbaut. Von hier oben bietet sich ein beeindruckender Blick über den Ort und das Rurtal. Bei schönem Wetter und klarer Sicht ist sogar der Kölner Dom zu sehen.

Eine Burg wurde im Mittelalter in erster Linie aus Gründen der eigenen Sicherheit errichtet. Ihr Standort verdankte sich somit strategischen Überlegungen. Burg Nideggen wurde im Grenzgebiet zur damaligen Herrschaft Monschau erbaut, um die Ländereien vor dem Zugriff des Erzbischofs von Köln zu sichern. Die Steilhänge boten Schutz vor Angriffen, herannahende Feinde waren bereits von weitem sichtbar. Durch ihre exponierte Lage hatte Burg Nideggen im Mittelalter den Ruf, uneinnehmbar zu sein.

Wie alt ist Burg Nideggen?

Burg Nideggen wurde Anfang des 12. Jahrhunderts als Sitz der Grafen von Jülich erbaut. Der älteste Teil der Anlage ist der imposante Bergfried, den Graf Wilhelm II. von Jülich zwischen 1177 und 1191 errichten ließ. Mit seinen bis zu zwei Meter dicken Mauern war der Bergfried das sicherste Bauwerk der Anlage und diente als Wohn- und Wehrturm. Seit 1979 befindet sich im Bergfried das sehenswerte Burgenmuseum.

Ihre Blütezeit erlebte Burg Nideggen unter Graf Wilhelm V. von Jülich, der die Burg ab 1336 erweitern und zu einer repräsentativen Residenz ausbauen ließ. Auf sein Geheiß wurde 1347 ein zweischiffiger gotischer Rittersaal erbaut, der sogenannte Palas. Mit einer Länge von 61 Metern und 16 Metern Breite war er einer der größten und bedeutendsten Festsäle im Rheinland, vergleichbar mit dem Aachener Kaisersaal und dem Kölner Gürzenich. 1356 fanden im Palas die Feierlichkeiten statt, in deren Rahmen Wilhelm V. von Kaiser Karl IV. in den Stand eines Herzogs erhoben wurde und von da an den Titel Herzog Wilhelm I. trug. Bis zum 15. Jahrhundert blieb Burg Nideggen die Residenz der Herzöge von Jülich.

Wie hoch ist die Burg Nideggen?

Die Burg Nideggen ist eine sogenannte Höhenburg, das heißt, sie wurde auf einer natürlichen Anhöhe errichtet. Sie liegt 330 Meter über Normalhöhennull (NHN) auf einem Bergvorsprung oberhalb der Rur.

Wem gehört die Burg Nideggen?

Erbauer der Burg Nideggen waren die Grafen und späteren Herzöge von Jülich, denen sie bis zum 15. Jahrhundert als Residenz diente. Mit dem Tod Rainalds von Jülich im Jahre 1423 fiel die Burg an die Familie von Berg, deren Oberhäupter sich fortan Herzöge von Jülich und Berg nannten. 1511 starb das Geschlecht von Jülich-Berg aus. Neuer Besitzer von Burg Nideggen wurde das Herzogtum Kleve. Im Verlauf des Dritten Geldrischen Erbfolgekrieges – auch bekannt als Jülicher Fehde – zwischen den Herzogtümern Jülich-Kleve-Berg und Kaiser Karl V. um das Herzogtum Geldern wurden die Stadt Nideggen und die Burg Nideggen 1542 zerstört. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde die Burg 1689 von den Truppen Ludwigs XIV. von Frankreich erneut ausgeplündert und niedergebrannt. Nach Erdbeben in den Jahren 1775 und 1878 verfiel Burg Nideggen zu einer Ruine. 1794 wurde sie auf Abbruch verkauft und als Steinbruch genutzt. 1888 kaufte die Nidegger Bürgerschaft die Reste der Burganlage und stoppte damit den weiteren Abbau. 1905 ging die Burg Nideggen als Geschenk an den Kreis Düren, in dessen Besitz sie sich bis heute befindet.

Kann man die Burg Nideggen besichtigen?

Die Burganlage Nideggen ist ganzjährig geöffnet und frei zugänglich. Im einstigen Bergfried wurde 1979 ein Burgenmuseum eingerichtet, das erste Burgenmuseum in Nordrhein-Westfalen. Auf sechs Etagen erzählt die Ausstellung von der kulturgeschichtlichen Bedeutung der Burg und gewährt einen eindrucksvollen Einblick in das Leben zur Zeit des Mittelalters. Thematisiert wird auch die Burgenlandschaft der Eifel und des Rheinlands. Der Besucher erfährt Wissenswertes über das Rittertum und die Burg als Schutz- und Zollfeste sowie als wirtschaftliches Zentrum. Zu besichtigen ist auch das Verlies im Keller, das seinerzeit nur durch das sogenannte „Angstloch“ in der Decke zugänglich war. Hier wurden zahlreiche prominente Gefangene inhaftiert, darunter Herzog Ludwig von Bayern, Erzbischof Konrad von Hochstaden und Erzbischof Engelbert II. Eine multimediale Präsentation vermittelt den Besuchern anschaulich das Schicksal der Insassen. Das Burgenmuseum bietet darüber hinaus ein umfangreiches Programm mit Workshops, Führungen, Musikveranstaltungen, Lesungen und Vorträgen zu mittelalterlichen Themen.

Zur Einkehr lädt das Burgrestaurant Nideggen mit drei unterschiedlichen Gastronomiekonzepten: der Bayrische Burg Biergarten 1177 im Palas, das Restaurant Kaiserblick mit regionaler, gutbürgerlicher Küche sowie das mit einem Michelinstern ausgezeichnete Restaurant Brockel Schlimbach.