Zweite Bundesliga: Der Geißbock und der große Druck

Zweite Bundesliga: Der Geißbock und der große Druck

Holger Stanislawski weiß, wie es sich anfühlt. Der neue Trainer von Bundesliga-Absteiger 1. FC Köln kennt nicht nur die zweite Liga, sondern er weiß auch, wie man sie elegant wieder unter sich lässt.

2010 stieg er mit dem FC St. Pauli in die Bundesliga auf. 2013 soll sich das mit dem 1. FC Köln wiederholen, der inzwischen eine der zuverlässigsten Größen unter den Jo-Jo-Mannschaften geworden ist. Köln ist in der zweiten Liga praktisch automatisch heißer Aufstiegsanwärter. Aber in der Saison 2012/13 dürfte es besonders schwer werden, alle Erwartungshaltungen zu erfüllen. Die größte Sorge bereitet nicht das sportliche Potenzial - die finanzielle Situation sorgt für Alarm: Die Bilanz des Geschäftsjahres 2010/11 wies ein Minus von rund 8,9 Millionen Euro aus.
Laut Claus Horstmann, dem Vorsitzenden der FC-Geschäftsführung, seien die Verbindlichkeiten in der vergangenen Saison gesenkt worden ("das wird die nächste Bilanz zeigen"). Beim FC ist einiges neu: Das Trainerteam um Stanislawski und die Clubführung mit dem im April gewählten neuen FC-Präsidenten Werner Spinner. Die nach dem Abgang von Volker Finke vakante Sportdirekor-Position ist ebenfalls neu besetzt worden - mit Frank Schaefer (Leiter Sport) und dem Trierer Jörg Jakobs (Leiter Transfermanagement und Kaderplanung).
Ohne Altlasten kann der FC aber nicht in die Mission Wiederaufstieg gehen. Die Kosten für die aussortierten Profis wie Geromel, Milivoje Novakovic und Michael Rensing könnten sich laut Medienberichten auf zehn Millionen Euro belaufen. So kam auch eine zweite Anleihe ins Gespräch.
Der FC sortierte aus sportlichen Gründen weitere Spieler aus dem Kader der ersten Mannschaft aus (Reinhold Yabo, Bienvenue Basala-Mazana, Christopher Buchtmann und Odise Roshi und Konstantinos Giannoulis). Einen guten Eindruck hinterließ in der Vorbereitung der Neuzugang vom 1. FC Nürnberg, Innenverteidiger Dominic Maroh (25, Deutsch-Slowene). Zurück in Köln ist auch Stürmer Thomas Bröker (27), der in der vergangenen Saison noch seinen Anteil am Bundesliga-Aufstieg von Fortuna Düsseldorf hatte. Bröker erhielt beim FC einen Drei-Jahres-Vertrag. Einen Schnitt gibt es im Tor: Dort erhält der erst 19-jährige Timo Horn die Nummer eins.
Eine wichtige Rolle soll auch Mittelfeldspieler Tobias Strobl (22) erhalten, den Stanislawski aus Hoffenheim mitbrachte.
Wie schlägt sich der FC in der ungeliebten Liga? Das wird man ab dem 5. August beim Auftakt in Braunschweig sehen. Am Wochenende darauf treffen zwei Welten aufeinander: Zwei Tage nach dem ersten Heimspiel gegen Sandhausen (10. August) ist Arsenal London zu Gast im RheinEnergieStadion - Wehmut dürfte für die Fans dabei sein, wenn sie ihren größten Spieler der jüngeren Vergangenheit beim Gegner sehen werden: Lukas Podolski.
Andreas Feichtner