Testbericht von 2024 Konservendosen bei Stiftung Warentest: Fast alle enthalten Schadstoff

In 51 von 58 Dosen, die Stiftung Warentest untersucht hat, steckt die Chemikalie Bisphenol A, die als „besonders besorgniserregend“ gilt. Welche Folgen der Stoff haben kann und wo sich Fachleute uneins sind.

Thunfisch, Suppen, Kokosmilch: Konserven sind oft mit Bisphenol A belastet (Symbolbild).

Thunfisch, Suppen, Kokosmilch: Konserven sind oft mit Bisphenol A belastet (Symbolbild).

Ob Suppe, Eintopf oder Gemüse: Essen aus Konservendosen gibt es in allen möglichen Formen und spart oft Zeit in der Küche. Wenn es nach Stiftung Warentest geht, sollten Verbraucher aber trotzdem nicht so viel Dosenware essen. Denn in einem aktuellen Test hat die Stiftung nachgewiesen, dass in 51 von 58 untersuchten Konservendosen der Schadstoff Bisphenol A – kurz BPA – steckt.

Was ist BPA überhaupt?

BPA ist eine Industriechemikalie. Mit ihr werden der Kunststoff Polycarbonat sowie Epoxid-Kunstharze hergestellt. BPA kann laut Stiftung Warentest über verschiedene Quellen aufgenommen werden, zum Beispiel Leitungswasser oder Bastelharze. Hauptquelle ist aber die Ernährung. Laut Daten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) tragen überwiegend Lebensmittel, die in mit Epoxidharz beschichteten Dosen gelagert werden, zur Aufnahme von BPA bei.

Ist BPA gesundheitsschädlich – und in welchem Ausmaß?

Die Europäische Chemikalienagentur hat Bisphenol laut Stiftung Warentest als „besonders besorgniserregend“ eingestuft, da es eine fortpflanzungsschädigende und hormonähnliche Wirkungsweise hat. Quelle dafür sind Tierstudien mit jungen Nagetieren. Dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zufolge seien allerdings bisher keine gesundheitsschädlichen Wirkungen von BPA für Menschen nachgewiesen worden, schreibt Stiftung Warentest.

Die Efsa hat laut Stiftung Warentest in Tierversuchen außerdem leber- und nierenschädigende Wirkungen von BPA identifiziert. In einer Studie mit Mäusen haben sich zudem Hinweise zu Auswirkungen auf das Immunsystem gezeigt. An dieser Studie gibt es jedoch Kritik. So merkt das BfR zum einen methodische Mängel an. Zum anderen sei es fraglich, ob die Ergebnisse auf Menschen übertragen werden können.

Generell sei sich die Fachwelt uneins, was die genaue Bewertung von BPA angehe, schildert Stiftung Warentest. Die Efsa hat 2023 eine Neubewertung von BPA veröffentlicht, in der sie den Richtwert für die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge des Stoffs deutlich gesenkt hat. Er liegt jetzt bei 0,2 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag.

Grundlage dessen ist die Auswertung von mehr als 800 Studien. Unter ihnen waren laut Stiftung Warentest vor allem die Hinweise zu den Auswirkungen auf das Immunsystem bei Mäusen ausschlaggebend, die das BfR kritisiert hat. Dementsprechend halte das BfR das Ergebnis der Efsa auch nicht für angemessen, erklärt Stiftung Warentest. Die Behörde schlägt einen eigenen Richtwert für die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge des Stoffs vor: 200 Nanogramm pro Kilo Körpergewicht, also höher als die Efsa – aber ebenfalls niedriger als frühere Bewertungen.

Wie stark mit BPA belastet sind Konservendosen?

0,2 Nanogramm, 200 Nanogramm – wie viel steckt denn überhaupt wo drin? Zurück zum Konservendosen-Test. Hier hat Stiftung Warentest die Produkte sowohl nach dem Richtwert der Efsa als auch nach dem der BfR bewertet. Das Ergebnis: Geht es nach dem strengeren Efsa-Wert, sind alle 51 Produkte, in denen Stiftung Warentest BPA gefunden hat, stark belastet. Mit dem BfR-Wert sind 14 Produkte deutlich bis stark belastet.

Da BPA wie erwähnt auch aus anderen Quellen aufgenommen wird, hat sich Stiftung Warentest bei der Bewertung an einer Ausschöpfung der täglichen Aufnahmemenge von 50 Prozent durch eine Portion orientiert. Für die Berechnung wurde von einem 60 Kilo schweren Menschen ausgegangen.

Stiftung Warentest rät: BPA-Aufnahme vorsorglich begrenzen

Was heißt das nun für Verbraucher? Dass sich die Fachwelt uneins ist, ist alles andere als selten – aber nicht besonders hilfreich bei der Einschätzung, ob und wie viel BPA tatsächlich vermieden werden sollte. Stiftung Warentest rät, die Aufnahme vorsorglich zu begrenzen – „je weniger Essen aus Büchsen, desto besser“. Wenn möglich, sollten unbelastete oder wenig belastete Konserven gewählt werden.

Aktuell wird auf EU-Ebene laut Stiftung Warentest beraten, ob BPA in Lebensmittelverpackungen verboten werden soll. In Babyfläschchen und Kassenbons ist der Stoff bereits nicht mehr erlaubt.

Den ganzen Test gibt es auf der Homepage der Stiftung Warentest (kostenpflichtig). Weitere Informationen zu BPA gibt es ebenfalls auf der Homepage der Stiftung Warentest (Quelle für diesen Artikel).

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