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Garten
Adventsnaschereien

Kathrin 
Hofmeister.
Kathrin Hofmeister. FOTO: TV / Kathrin Hofmeister
Adventsnaschereien

Die Mispeln purzeln von den Bäumen. Sie sind das letzte Obst im Garten – nicht zu verwechseln mit Misteln. Letztere spielen in der Adventszeit auch eine große Rolle. Die grünen Büschel werden mit Vorliebe über Hauseingängen dekoriert. Die glasig-weißen Beeren des sagenumwobenen Halbschmarotzers sind allerdings nur für Vögel ein Leckerbissen. Mispeln dagegen werden seit Menschgedenken von eingeweihten Zweibeinern geschätzt. In Zeiten, als weder Datteln und Feigen oder gar schokoladige Advents­leckereien zur Verfügung standen, schleckte man sich alle zehn Finger nach dem angenehm säuerlich-aromatischen Fruchtfleisch. Das muss man übrigens noch heute, wenn man eine Mispel roh genießt. Ihr Fruchtfleisch quillt beim Verzehr geradezu mus-artig heraus. Essreif sind Mispeln nämlich erst, wenn die rostbraune Sammelsteinfrucht auf leichten Druck nachgibt. Man zieht ihr die dünne, raue Haut ab, schlabbert das teigig weiche Innenleben weg und spuckt die Kerne aus. Mich erinnert der Geschmack ein wenig an Kompott. Weil die Witterung das Obst „weich gegart“ hat, bleiben im Unterschied zu allen gekochten Varianten die wertvollen Inhaltsstoffe, darunter auch Vitamin C, erhalten.

Im Handel wird man die transportunfähigen Früchte kaum finden. Da gibt es Nashi-Birne und Litschi. Dabei ist mir selbst gemachtes Quittenbrot aus heimischen Landen als fruchtige Adventsnascherei oftmals viel lieber. Und erst die Bratäpfel: Es geht nichts über Boskop von der lokalen Streuobstwiese. Erst bei der Füllung klappt es dann nicht mehr so ganz mit regionalen Zutaten. Immerhin 3 EL gehackte Walnüsse und 3 EL getrocknete Weinbeeren könnten noch aus Eigenproduktion stammen. Aber 50 g Marzipan, 1 EL Rohrzucker, 1 Päckchen Vanillezucker, 1 Prise Zimt und etwas ausgepresster Orangensaft für vier ausgehöhlte Äpfel kommen dann doch von weiter her. In der feuerfesten, gefetteten Form, bei 200° Grad (180 Grad Umluft) in den Backofen geschoben, zieht man nach 30 Minuten herrliche Bratäpfel heraus.

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