Altersvorsorge in der Krise

Altersvorsorge in der Krise

Für die kriselnden Euro-Staaten sind sie ein Segen, für die Kapitallebens- und Rentenversicherungen ein Fluch: die niedrigen Zinsen in der Euro-Zone. Noch vor zwölf Jahren haben die Versicherer mit Garantiezinsen in Höhe von vier Prozent geworben.

Einschließlich der Überschussbeteiligung konnten damals viele Versicherte mit einer Verzinsung ihres Kapitals von deutlich mehr als sechs Prozent rechnen. Dieses Zahlenwerk hat sich mittlerweile in Luft aufgelöst. Der Garantiezins für Neuabschlüsse liegt mittlerweile bei historisch niedrigen 1,75 Prozent.

Und es kommt noch schlimmer. Denn im Branchendurchschnitt erwirtschaften die Versicherer für laufende Verträge, inklusive der Überschussbeteiligung nach einer Untersuchung des Analysehauses Morgen & Morgen nur noch eine Rendite von 3,9 Prozent.

Da die Versicherungen nach einer Untersuchung des Instituts für Versicherungswissenschaften(IfVW) in Leipzig weiterhin mit sinkenden Zinsen rechnen, stellt sich die Lage für die Branche recht bedrohlich dar. Denn die Zinsgarantien müssen die Unternehmen in jedem Fall zahlen, auch wenn sie damit Verluste einfahren. Als Konsequenz trauen Allianz, Ergo, Gothaer und Co. ihren eigenen Produkten nicht mehr.

Mehr als drei Viertel der befragten Firmen geben an, das es wünschenswert wäre, wenn Garantien nicht mehr bis zum Laufzeitende gelten würden. Auch im Finanzministerium ist man auf die missliche Lage der Branche aufmerksam geworden und zeigt sich für Abschnittsgarantien für begrenzte Zeiträume wie fünf oder zehn Jahre offen.

Damit wird aber vielen Menschen die Möglichkeit genommen, verlässlich für die Altersvorsorge zu sparen. Denn was am Ende des Vertrages steht, lässt sich dann nicht mehr vorhersagen und ist allein vom Wohlwollen einer Branche abhängig, die schon bisher nicht mit Transparenz glänzt.