1. Meinung

Auferstehen aus Ruinen: Wie und warum Brot & Spiele weiterleben muss

Auferstehen aus Ruinen: Wie und warum Brot & Spiele weiterleben muss

Brot & Spiele, das Römerspektaktel, hängt in der Warteschleife. Auf Eis gelegt für ein Jahr. Hoffentlich ist es kein endgültiger Abschied, denn die römischen Ruinen - Triers größtes Kapital - müssen mit Leben erfüllt bleiben. Rund 20 000 Besucher konnten sich regelmäßig für Brot & Spiele begeistern, nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Was sollte anders gemacht werden bei einer Neuauflage? Ein paar Denkanstöße:

Den richtigen Zeitpunkt finden: Wer Kaiserthermen oder Amphitheater besucht hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass sich dort tatsächlich ziemlich viele auswärtige Gäste tummelten. Die zehn- bis 15-jährigen Jungs aus England, die bei einer Nachmittagsvorstellung dort auf den Rängen hinter uns saßen, hatten glänzende Augen, als die Gladiatoren aufeinander einprügelten, da waren viele "Ooohs" und "Wows" zu hören. Sie werden Trier sicher in guter Erinnerung behalten. Genau das muss der Sinn einer solchen Veranstaltung sein, wenn die Stadt Geld investiert: Trier national und international bekanntzumachen, den Tourismus zu fördern und zugleich einen Bildungs- und Unterhaltungsanspruch zu erfüllen. Im September aber sind die Trie rer Hotels ohnehin an ihren Kapazitätsgrenzen, sie haben von einer Großveranstaltung keinen Nutzen - dass sie nicht sehr dahinterstehen, verwundert also nicht. Die Trierer sind der Großveranstaltungen nach den ganzen großen Festen womöglich müde. Also: Der Zeitpunkt muss dringend noch einmal überdacht werden.

Weniger ist mehr: Die jungen Engländer zeigten ein weiteres Problem der Veranstaltung im Amphitheater. Vom "Star" Katy Karrenbauer hatten sie nie gehört, die Handlung der über zweistündigen Geschichte verstanden sie schon allein aufgrund der Sprachbarriere nicht. Das war aber auch gar nicht nötig: Ihren Spaß hatten sie, wenn\'s tüchtig krachte, wenn sie Kämpfe, Pferde und Stunts zu sehen bekamen. Das ganze Drumherum, die Schauspieler, Dutzende Statisten, das Drehbuch, die Star-Darsteller, also all das, was die Kosten in die Höhe treibt, ist womöglich gar nicht nötig, um Zuschauer zu begeistern. Sie kommen, um Römer in Action und Römer an Original-Schauplätzen zu erleben. Eine Stunde Gladiatorenkämpfe, das Wesentliche an historischer Stätte, dazu Erläuterungen, am besten mehrsprachig statt zweieinhalb Stunden mehr oder weniger spannendes Theater, vielleicht reicht das ja, vielleicht ist weniger ja manchmal mehr.

Die Heimat einbeziehen: Die Trierer hätten Brot & Spiele nicht richtig in ihr Herz geschlossen, glaubt Organisator Ronald Frank. Das mag sein, das kann man aber ändern. Ein Euro von einer Nachmittags-Vorstellung für einen guten Zweck - so etwas wirkt schon manchmal Wunder. Beim Benefiz sind die Menschen in der Region Trier schließlich immer mit dabei. Dann noch Leiendeckers Helm als Gast in einer Rüstung, Guildo als Barde, der OB in kaiserlicher Tunika, die Dezernentinnen Angelika Birk und Simone Kaes-Torchiani im Amazonenkampf, fünf TBBler als Sklaven oder ein paar Eintracht-Kicker als Barbaren - der Kreativität sind ja keine Grenzen gesetzt, und schon ist eine "Trier-Vorstellung" ausverkauft, und die Trierer haben was zu erzählen. Und, ganz nebenbei bemerkt: Mehrere Tausend Amerikaner, unter anderem busseweise von der Airbase Spangdahlem angekarrt, besuchen jedes Jahr das Manderscheider Burgenfest - die müssten sich doch auch von römischen Ruinen und Gladiatoren begeistern lassen, oder? Früher im Jahr, kleiner, feiner und dadurch günstiger in der Durchführung - trotzdem natürlich mit professioneller Vermarktung - so könnte Brot & Spiele 2014 wieder auferstehen aus und in Ruinen. m.schmitz@volksfreund.de

Liebe Leserinnen, liebe Leser: Welche Ideen haben Sie für Brot & Spiele? Was sollte bleiben, was geändert werden? Schreiben Sie uns an echo@volksfreund.de , bitte Name und Anschrift nicht vergessen!