AUFGESCHLAGEN – NEUE BÜCHER: „Wilde Jagd“ Eine Leiche, keine Leiche

Meinung · Es gibt zwar Sätze, die nicht spielentscheidend für die Handlung sind, aber dennoch zu schön, um nicht zitiert zu werden. So auch dieser: „Immobilien sind nichts anderes als sichtbar gewordene Korruption.“ Ausgesprochen wird er von Adrian Zillner, einem windigen Häuserkäufer und -verkäufer und Sohn des Herwig Zillner, der wegen seiner Körperbehinderung rund um die Uhr der Hilfe bedarf.

AUFGESCHLAGEN – NEUE BÜCHER: „Wilde Jagd“
Foto: Zsolnay/NN

Die bekommt er von Evelina aus der Slowakei, nachdem deren Schwester Angelika sich zuvor um den alten Herrn gekümmert hat. Die aber ist spurlos verschwunden, und Evelina, die, nebenbei bemerkt, auch über spielentscheidende hellseherische Fähigkeiten verfügt, hat sich auf den Job beworben, nicht zuletzt um Licht in das Schicksal ihrer nächsten Verwandten zu bringen.

Hier kommt Professor Quintus Erlach ins Spiel, der Ich-Erzähler und Alkoholiker, der sich verzweifelt bemüht, genau das nicht mehr zu sein, also Alkoholiker. Er ist nur einer von den zahlreichen skurrilen Kerlen, die in dem österreichischen Kaff Stein am Gebirge leben und die alle einen Grund haben könnten, Angelika, die sich durchaus ihrer Wirkung auf Männer bewusst gewesen war, zu töten.

Und tatsächlich: Dank Evelinas hellsehererischen Talenten findet sie mit dem Professor tatsächlich Angelikas Leiche in einer Höhle. Zu dumm nur, dass sie nicht mehr da ist, als die Polizei den Fundort in Augenschein nimmt. Jetzt hat der Professor ein Problem, seine Glaubwürdigkeit zu beweisen, was nicht zuletzt dadurch erschwert wird, dass ihm oft eine Alkoholfahne vorausweht.

Und was noch schlimmer ist: Auf einmal scheint sich das ganze Dorf gegen ihn und seine Mit-Detektivin verschworen zu haben.

Nicht einfach zu sagen, wer bei dieser „wilden Jagd“ der Jäger und wer der Gejagte ist. Was das Lesevergnügen allerdings beträchtlich steigert. René Freund stattet seinen Helden mit lakonischem Witz und viel Humor aus, obwohl ihn seine Frau gerade wegen eines Geisterheilers in Richtung Südamerika verlassen hat (nicht ohne Grund, denn der Prof. war, wie das in Akademikerkreisen öfter vorkommen soll, einer Studentin nicht nur während der Vorlesungen begegnet) und seine Tochter den Kontakt zu ihm, abgebrochen hat. Wenigstens hat sie ihm ihren Hund gegen die Einsamkeit zurückgelassen, dessen Kontaktfreudigkeit auch dem ermittelnden Professor zugute kommt. Mag dessen Lage noch so aussichtslos sein: Ein passendes Zitat eines Philosophen kommt ihm stets zur rechten Zeit in den Sinn und über die Lippen.


Fazit: Trotz Mord, Feuer, übersinnlichen Erscheinungen und realen Drohungen ist die „Wilde Jagd“ weniger ein geistreicher Thriller als vielmehr eine knallharte Komödie.

René Freund, „Wilde Jagd“, Zsolnay, 285 Seiten, 18 Euro.

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