Viel Brisanz im Buch – aber keine Ohrfeige für Mainz

Viel Brisanz im Buch – aber keine Ohrfeige für Mainz

„Die Nürburg-Papiere“ sind erschienen (TV von Montag). Und viele fragen sich: Wie ist er denn, der neue „Berndorf“? Der TV hat den aktuellen Eifelkrimi von Bestseller-Autor Jacques Berndorf gelesen.

"Berater waren beauftragt, die Gesellschaft für Beratungen mit anderen Beratern zu beraten." Das Zitat des Landesrechnungshofs in Speyer, das dem neuen Roman von Jacques Berndorf voransteht, sagt alles: Der Bau des neuen Nürburgrings ist ein großer absurder Quatsch. Ein Projekt, das mehr als 300 Millionen Euro verschlang, ohne Aussicht darauf, dass dieses Geld dank ausreichender Besucherzahlen jemals wieder zurückfließt.

Ein gefundenes Fressen für Michael Preute, der als "Jacques Berndorf" zu den erfolgreichsten Kriminalschriftstellern im Land gehört. Was also macht er aus dem Thema? Er macht daraus einen typischen Berndorf, dem man allerdings anmerkt, dass der Autor Lust am Thema hatte.

Es beginnt mit dem typischen Idyll im Garten von Siggi Baumeister: Kater Satchmo hat sich einen neuen Freund angelacht - einen Igel. Danach aber wird es ungemütlich, und daran hat nicht nur das miese Eifelwetter Anteil, sondern vor allem Baumeisters Freund, Kommissar Rodenstock: Der nämlich ist auf dem besten Weg, es sich aufgrund durchgehend schlechter Laune mit Gattin Emma und Baumeister zu verscherzen. Stress für Baumeister - und dabei wird es nicht bleiben.

Zwei Morde, kein Zusammenhang

Da ist es schon fast ein grimmiges Glück, als ein Mord geschieht: Claudio Bremm, wichtigster Manager am Nürburgring, wird per Maschinenpistole in die ewige Boxengasse geschickt. Baumeister und Rodenstock beginnen zu ermitteln und stehen schon bald vor dem zweiten Toten - einem harmlosen Eifelbauern. Zwei Morde, kein Zusammenhang - oder haben sie dennoch beide mit dem Ring-Projekt zu tun?

Verdächtige gibt es genug - nicht zuletzt die vielen Eifeler Gastwirte, denen man mit dem neuen "Ring" und seinen Bettenburgen die Konkurrenz vor die Nase gesetzt hat.

Das Buch bleibt im Fiktiven. Aber die Vorgänge am Nürburgring, in ihrer Absurdität immer wieder lustvoll vom Autor dargelegt, bilden die Grundierung. Dennoch verkneift sich Berndorf die erwarteten Spitzen gegen die Landesregierung in Mainz: Auch die, sagt Baumeister, sei von den Beratern und Managern über den Tisch gezogen worden.

Trotzdem enthalten die "Nürburg-Papiere" genügend Brisanz: Die Passagen, in denen der gelernte Journalist Michael Preute die Vorgänge um das Katastrophenprojekt darlegt, gehören zu den stärksten des Romans. Und sie zeigen, dass die Wirklichkeit manchmal eben doch fantastischer sein kann als die Fiktion.

Wie ist also der neue Berndorf? Wütend, witzig, traurig und sehr eifelhaltig. Das Fazit von Kommissar Rodenstock zum Thema Nürburgring: "Die Grenzen sind fließend, es gibt nicht nur Gute und Böse, es gibt auch eine Menge Gutböser." Gut böse - das gilt auch für "Die Nürburg-Papiere". Auch wenn das Buch nicht zur von vielen erwarteten Ohrfeige für die Landesregierung geworden ist. eg/cdr

Extra

Premiere: Sie bleiben Freunde, trotz des brisanten Nürburgring-Hintergrunds beim neuen Eifelkrimi: Autor Jacques Berndorf und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck. So war es auch kein Wunder, dass "Die Nürburg-Papiere" am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in der Staatskanzlei Mainz vorgestellt wurden.

Dabei schlossen Beck und Berndorf gleich noch eine Wette ab: Falls der Ausbau des Nürburgrings auch in fünf Jahren noch "ein schwieriges Szenario" sei, bekomme der Krimiautor "fünfmal zwölf Flaschen besten Ahr-Rotwein", versprach Beck. Werde der neue Freizeitpark an der Rennstrecke in der Eifel jedoch ein Erfolg, dann schreibe Berndorf in fünf Jahren einen weiteren Roman rund um den Nürburgring. Am Abend folgte die offizielle Premierenlesung am Nürburgring vor mehr als 300 Zuhörern.

"Die Nürburg-Papiere" erscheinen im Hillesheimer KBV-Verlag. Das Buch hat 360 Seiten und kostet 9,95 Euro. ISBN: 978-3-940077-78-3 (fpl/dpa)