Anbaugebiet Mosel: Unkopierbar und mit breiter Spitze

Kolumne Auslese : Unkopierbar und mit breiter Spitze

Es amüsiert mich jedes Jahr. Im November erscheinen die bekannten Weinführer. Bewertet werden vor allem die Weine des Vorjahres. In den Handel kommen die Bücher aber mit der Jahreszahl nach der Erscheinung.

Der 2018er wird also in der Ausgabe 2020 besprochen. Das ist aber nur eine Randerscheinung.

Entscheidend für die Winzer an Mosel, Saar und Ruwer und die Weinfreunde im In- und Ausland ist: Vor allem der Riesling nahm und nimmt eine Spitzenstellung ein. Über die Feiertage habe ich ein wenig in zweien der Werke geblättert. Ich beziehe mich hier auf den mehr als 150 Seiten umfassenden Vinum Weinguide Deutschland 2020 und den mehr als 1200 Seiten starken Eichelmann Weinführer 2020. Über den Gault Millau Weinführer hat der Trierische Volksfreund bereits berichtet.

Vinum fasst die Lage im Anbaugebiet Mosel in zwei Worten zusammen: geschmacklich unkopierbar. Mehr muss man dazu eigentlich gar nicht sagen oder schreiben.

Doch ein bisschen Erklärung darf es schon noch sein. Unter dem extremen Sommer des Jahres 2018 hätte vor allem das Rebgut in den südlichen Anbaugebieten Deutschlands gelitten. An der Mosel hingegen „finden sich dennoch lichte und vibrierende Weine.

Die großen Gewinner sind die Saar und die Terrassenmosel“, schreiben die Autoren. Faszinierend sei die stilistische Diskrepanz zwischen den beiden Gebieten. Leicht, beschwingt und klarfruchtig an der Saar, reiffruchtig, kraftvoll und vielschichtig an der Terrassenmosel um Winningen. Und die von der Mittelmosel sind, so meine bescheidene Meinung, auch nicht schlecht.

Die Mosel sei mit „großen trockenen Lagenweinen der Hauptprofiteur des Klimawandels“ – und das zu teilweise äußerst moderaten Preisen. Ein Kritikpunkt: Viele Kabinette weisen, so die Verkoster, Mostgewichte von Spät- und Auslesen auf. Dadurch gehe die typische Leichtigkeit verloren. Weiterhin gilt aber für Vinum: Es gibt in keinem anderen deutschen Anbaugebiet so viele Betriebe im Fünf- und Vier-Sterne-Bereich wie an der Mosel. Weingut des Jahres ist hier der Falkensteiner Hof in Niedermennig, Aufsteiger des Jahres ist A. J. Adam in Neumagen-Dhron, Entdeckung des Jahres ist das Weingut Hermann Ludes in Thörnich.

Der Jahrgang 2018 sei an der Mosel überzeugend ausgefallen, heißt es im Eichelmann Weinführer 2020. Zwölf Betriebe erhalten das Prädikat Weltklasse. Da kann nur das dreimal so große Anbaugebiet Pfalz mit elf Weingütern halbwegs mithalten.

Der heiße und trockene Sommer habe es mit sich gebracht, dass die Alkoholwerte oft höher seien als in anderen Jahren. Gleichwohl sei zu erwarten, dass sich die trockenen Spitzen gut entwickeln. Bei den süßen Weinen gebe es „zupackende Spätlesen, Auslesen und extrem süße, wunderbar dichte Trockenbeerenauslesen“.

Eichelmanns Wertungen gewinnen bei der Betrachtung der Gesamtsituation in den 13 deutschen Weinbauregionen an Bedeutung. Denn der Jahrgang 2018 sei insgesamt nicht so gut wie vielleicht aufgrund des Sommers gedacht. Für mich heißt das aber auch, dass die Winzer an Mosel, Saar und Ruwer ihr Handwerk verstehen. Durch den Klimawandel stehen aber auch sie vor neuen Herausforderungen.

mosel@volksfreund.de