1. Meinung

Auslese: Der Wein spricht für sich selbst

Auslese: Der Wein spricht für sich selbst

Manchmal geht mir das Schreiben dieser Kolumne schnell von der Hand. Dann ist das eine Sache von Minuten. Manchmal dauert es von der Idee bis zur Umsetzung aber lange. Die Idee zu dem Artikel, den sie hier lesen, kam mir schon vor Wochen.

Es ist mir aber nicht genug eingefallen, um die vorgeschriebene Zeilenzahl zu erreichen. Es geht um den Begriff "leichtes Möselchen". Dazu fallen mir ein positiver und ein negativer Aspekt ein. 1. Ein Wein, der alkoholarm und gehaltvoll zugleich ist. 2. Ein Wein, der aus nicht sonderlich hochwertigen Trauben hergestellt wird und mehr an gefärbtes Wasser erinnert. Der Begriff wird manchmal als Schimpfwort verwendet obwohl der Schimpfende dabei meist ein Lächeln im Gesicht hat.

Die Grundlagen für die Kolumne geistern mir schon lange im Kopf herum. Doch erst seit ein paar Tagen kann ich sie unterfüttern. In der sehr gut bestückten Weinabteilung eines Supermarktes im Hunsrückort Morbach (!) fiel mir eine besondere Flasche auf. "Leichtes Möselchen" steht da tatsächlich auf dem Etikett. Winzer Christoph Koenen wirbt bewusst mit einem Merkmal, dass auch als Makel ausgelegt werden kann.

Die Idee kam nicht von ungefähr. Die Messe ProWein in Düsseldorf widmete in diesem Jahr einen ihrer Schwerpunkte den leichten Weinen. Christoph Koenen, der dort mit einem Stand vertreten war, trug dem mit einem feinherben Riesling Rechnung. Der weist weniger als neun Prozent Alkohol auf. Die Resonanz bei den Messebesuchern sei sehr gut gewesen, erzählt der Mann aus Minheim. Seit einigen Jahren gebe es einen Trend zu solchen Weinen.

Koenens Ziel: Er will einen unkomplizierten Wein präsentieren, einen den man nicht groß erklären muss. Ich habe ihn probiert und ohne Erklärung verstanden.