1. Meinung

Auslese: Dosenbier und Spitzenwein

Auslese: Dosenbier und Spitzenwein

Wo kauft der Kunde seine Unterhosen, Socken, Mützen oder Schlafanzüge? Im Bekleidungsfachgeschäft, im Kaufhaus – und, ja auch beim Kaffeeröster Tchibo.


Wo kauft der Kunde seinen Wein? Einfachen und billigen im Discounter, etwas besseren im Supermarkt und guten im Weinfachgeschäft oder direkt beim Winzer. Stopp, stimmt nicht ganz. Das war einmal. Längst bieten Spitzenwinzer ihre Weine bei Aldi, Lidl und Co. an. Eine der ersten war das Weingut Franz Keller am Kaiserstuhl.
Bei seinem Start 2007 war die Edition Fritz Keller ein bislang einmaliges Pilotprojekt im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Und es hat sich offenbar für Keller sowie Aldi gelohnt.

Dick im Geschäft mit Aldi ist auch der als Top-Winzer titulierte Raimund Prüm aus Bernkastel-Wehlen, Inhaber des Renommierguts S.A. Prüm. Inzwischen ist die größte Weinkellerei Deutschlands, Peter Mertes in Bernkastel-Kues, bei Prüm eingestiegen und sagt, wo es langgeht. Mertes weiß ganz bestimmt, wie man Weine im Discounter und Supermarkt vermarktet. Die für Großabnehmer notwendige Menge bereitzuhalten ist offenbar auch kein Problem.

Die Preise für solche "Renommierweine" sind für Discounter-Verhältnisse, wo Weine unter zwei Euro zu haben sind, hoch. Im Vergleich zu anderen Spitzenweingütern sind sie allerdings unterirdisch tief.
Ein badischer Spätburgunder Qualitätswein von "Edel-Winzer" Keller kostet bei Aldi Süd 5,99 Euro. Ein R. Prüm Riesling Mosel Qualitätswein ist bei Aldi für 3,99 Euro zu haben.
Gut möglich, dass bald auch Weine von bekannten Top-Gütern im Regal von Tankstellen-Shops stehen - direkt neben den Bier- und Coladosen. Bei Tchibo gibt's ja auch Unterhosen.
w.simon@volksfreund.de