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Auslese
Riesling über den Wolken

Noch heute wirbt der Weinort Mülheim mit seinem berühmten Zeppelinwein für seine Riesling-Lagen. Tatsächlich war ein Wein der Lage Sonnenlay im Luftschiff LZ 127 Graf Zeppelin mit an Bord, als es im Jahr 1929 seine legendäre erste Weltreise absolvierte. Von Hans-Peter Linz
Hans-Peter Linz

Mosel war bereits zu dieser Zeit deutschlandweit ein Begriff für Qualität. Ein Gläschen Riesling über den Wolken zu genießen – das war schon etwas sehr Besonderes, das sich nur Super-Reiche leisten konnten.

Auch heute noch legen Fluggesellschaften großen Wert auf die Auswahl der Weine, die in ihrer gehobenen Passagierklasse serviert werden.  Eine bekannte Luftfahrtlinie wirbt zum Beispiel damit, dass sie ganz offizielle Ausschreibungen für Weine macht, die im Flugzeug angeboten werden. Dabei werde nur auf die Qualität und nicht auf das Etikett geachtet. Jeden Monat wird ein Gremium aus Weinfachleuten zusammengestellt, das mit einem Meister-Sommelier schlussendlich jene Weine aussucht, die den Passagieren serviert werden. Dabei werden sogar die besonderen klimatischen Bedingungen der Flugzeugkabine in Rechnung gestellt, weshalb durchaus kräftige Weine mit höherem Alkoholgehalt bevorzugt werden.

Ob der gute alte Zeppelin-Wein diese harten Prüfungen überstanden hätte? Wahrscheinlich nicht. Aber damals eilte man auch nicht in großer Höhe und mit Fast-Schallgeschwindigkeit um den Planeten herum, sondern ließ sich bei gemütlichem Tempo durch die Lüfte tragen.

Das hat was. Da könnte man glatt mal wieder einen Zeppelin-Wein trinken. Zwar gibt es kaum Zeppeline in der Region, aber auch in einem  Heißluftballon würde dieser Wein hoch oben in der Luft gewiss munden.

hp.linz@volksfreund.de