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Auslese: Welche Rebsorten braucht die Mosel?

Auslese : Welche Rebsorten braucht die Mosel?

Rebsorten sind, wie so vieles im Leben, Trends und Moden unterworfen. Was heute in ist, kann morgen out sein. 

Erinnern wir uns an den Boom der Neuzüchtungen, als Rebsorten wie Bacchus, Ortega und Optima auf einst fruchtbaren Ackerflächen und Obstwiesen angebaut wurden. Sie brachten hohe Oechslegrade und ordentliche Mengen, aber keine feinen und vor allem keine moseltypischen Weine hervor. Hauptsache, man konnte Spätlese aufs Etikett schreiben.

Ganz groß in Mode war viele Jahre der Müller-Thurgau, auch Rivaner genannt. Diese Rebsorte wurde leider als Massenträger missbraucht, um die Fässer der Winzer und die Tanks der Kellereien zu füllen. Die Qualität war zweitrangig, es ging allein um hohe Erntemengen.

Schaut man auf die vergangenen zehn Jahre, ist aber ein positiver Trend zu beobachten. Nach einem sehr starken Rückgang bis 2009 ist seitdem die Gesamtrebfläche mit etwas unter 9000 Hektar an der Mosel relativ konstant geblieben.

Konstant geblieben ist auch der Anteil des Rieslings. Er ist und bleibt mit über 60 Prozent der Rebfläche die mit Abstand wichtigste Rebsorte an der Mosel. Alles andere wäre auch fatal. Denn in keiner anderen Weinbauregion der Welt bringt der Riesling solch feine und hochwertige Weine hervor.

Deutlich zurückgegangen ist hingegen die Anbaufläche des Müller-Thurgau. Er wurde teilweise verdrängt vom Weißen Burgunder und von der roten und sehr ertragreichen Modesorte Dornfelder. Während die Fläche des Weißburgunders noch weiter wächst, geht sie beim Dornfelder wieder leicht zurück. Die andere wichtige Rotweinsorte der Mosel, der Spätburgunder, hat in den vergangenen zehn Jahren leicht zugenommen. Der Spätburgunder passt mit seiner samtigen, feinen und eher gerbstoffarmen Art auch viel besser zur Mosel. Er ist sozusagen das rote Pendant zum weißen Riesling.

Die einst beliebten Sorten wie Bacchus und Ortega spielen im übrigen so gut wie keine Rolle mehr.

mosel@volksfreund.de