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Kolumne Auslese
Kultur oder Rausch: Ein schmaler Grat

FOTO: Schramm, Johannes / TV
Ein neues Jahr bringt Rückblicke mit sich. Beim Weinverbrauch hat sich nicht viel geändert — schon seit 2002 nicht. Jeder Deutsche, es gibt knapp 82,7 Millionen davon, trank 2017 im Durchschnitt 20,9 Liter Wein und vier Liter Schaumwein. Da Babys und Kinder abstinent sein dürften, erhöht sich das Quantum bei Jugendlichen und  Erwachsenen. Nach Angaben des Deutschen Weininstituts liegt der Konsum seit 2002 zwischen 20  und 21 Litern. Zum Vergleich: Der Bierkonsum geht kontinuierlich zurück. 2017 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei 104,1 Litern, 2000 bei 125,6 und 1980 bei 146 Litern. Die Gründe kenne ich nicht. Als Weinfreund werde ich aber auch nicht sagen: Leute, trinkt mehr Wein! Dafür birgt Alkohol, im Übermaß genossen, zu viele Gefahren. Es ist eine Gratwanderung.

Ich sehe Wein als Kulturgetränk. Aber es ist natürlich Alkohol. Für Leute, die davon abhängig sind, ist auch von dem vergleichsweise leichten  Getränk jedes Glas eines zu viel. Vor Jahren hat mich einmal ein trockener Alkoholiker auf der Straße angehalten und gesagt, wir sollten das Weintrinken nicht verherrlichen. Der Grat ist schmal.

Was ich aber guten Gewissens vertrete: Es gibt sicher noch viele Menschen, die selten oder nie mit Wein in Berührung kommen. Ihnen dieses Getränk, das ein Essen oder einen Plausch bereichern kann, näherzubringen, ist noch eine Aufgabe für Winzer und Weinwerbung.

Gespalten bin ich beim Kaufverhalten. 77 Prozent der Weintrinker kauften ihren Wein, ob deutschen oder ausländischen, 2016 beim Discounter und im Supermarkt. Der Durchschnittspreis für einen Liter im Lebensmitteleinzelhandel lag 2016 bei 2,92 Euro, fünf Cent weniger als 2015, und bei 3,20 Euro für deutschen Wein. Das ist ernüchternd.

c.beckmann@volksfreund.de