1. Meinung

Bei einem Sensorikseminar geht darum seinen Geschmack zu trainieren

Kolumne „Auslese“ : Erfahrungen in einem Sensorikseminar: Wasser schmecken von eins bis sieben!

Die Kunst des Schmeckens ist nicht so einfach wie man das gemeinhin glaubt. Menschen mit einem feinen Gaumen entdecken in Speisen und Getränken Nuancen, die anderen verborgen bleiben.

Manche sind dabei Naturtalente, andere müssen ihre Sensorik trainieren. So heißt das Erkennen von Aromen und Gerüchen in der Fachsprache.

Um für die Leserinnen und Leser des Trierischen Volksfreunds noch informativer über Wein schreiben zu können, habe ich kürzlich beim Internationalen Weininstitut in Bad-Neuenahr an so einem Seminar teilgenommen. Dabei habe ich erfahren, dass Menschen, die ein ihnen bekanntes Lebensmittel sehen, automatisch wissen wie es riecht. Was also liegt näher, als das zu erratende Produkt in einem dunklen Becher mit Schlitz zu erschnuppern? Nicht alles kitzelte angenehm in der Nase. Rosen- und Kaffeeduft ja, Hefe- und Uhutöne nein.

Im Laufe des Tages wurden die Übungen schwieriger. Einen Test möchte ich Ihnen dabei nicht vorenthalten, den Sie selbst zu Hause mal ausprobieren können: eine Wasserverkostung! Dazu wurden in vier kleinen Bechern, vier Schlucke Wasser ausgeschenkt. Der Referent hatte diese Proben zuvor „behandelt“. Herauszufinden war, welches Wasser salzig, süß, sauer oder bitter schmeckte. Es nannte sich „sensorische Gaumen- und Zungenübung – Grundgeschmacksrichtungen“. Das kann jeder. Es ist kinderleicht. In Level zwei wurden in sieben kleinen Bechern sieben Schlucke Wasser ausgeschenkt mit einer geringeren Konzentration der Inhaltsstoffe als zuvor. Zwei Proben waren dabei normales Wasser, zwei Proben mit identischen Inhaltsstoffen. Das war doch um einiges schwieriger. Salzig und süß haben die meisten sofort erkannt, aber bitter und sauer? Verdammt perfide. Level drei mit noch geringeren Anteilen der Lösungen versetzt, setzte dem Ganzen die Krone auf. Heimtückisch! Es erforderte hohe Konzentration beim Schmecken, denn Wasser riecht ja nicht. Wer in Biologie oder im Seminar aufgepasst hat, weiß, dass süß hauptsächlich auf der Zungenspitze wahrgenommen wird, sauer am mittleren Teil der Zungenränder, salzig am Zungenrand und bitter am Zungenansatz.

 Kommentarfoto_Kerl.pdf
Kommentarfoto_Kerl.pdf Foto: TV/Eltges, Stefanie

Wenn ich das nächste Mal ein Glas Wein trinke, werde ich den Tropfen nach akribischer Prüfung der Farbe und des hingebungsvollen Erschnupperns, leicht über die Zunge rollen lassen, meine Schlüsse ziehen und den Abgang genießen. Haben Sie Fragen zum Thema wein? Fragen Sie: v.kerl@volksfreund.de