1. Meinung

Clemens Beckmann zu Wein und Gold

Kolumne : Diese Freiheit braucht kein Mensch

Das Bild ging um die Welt. Fußballer Franck Ribéry, damals in Diensten des FC Bayern München, verspeiste am Silvesterabend 2018 in einem Restaurant in Dubai ein mit Blattgold umhülltes Steak. Schlappe 1200 Euro soll es gekostet haben.

Für den Franzosen wird das in etwa so viel gewesen sein, als wenn Unsereins 15 bis 20 Euro für ein Essen ausgibt. Leisten konnte er es sich also. Was er zum goldenen Steak getrunken hat, ist nicht überliefert – als Franzose wahrscheinlich teuren Rotwein oder Champagner.

Für den Wiederholungsfall hätte ich einen Tipp für ihn: Eine Kellerei an der Mosel bietet ein perlendes Getränk mit dem Namen „Splendid 22 Karat Gold“ an. Hergestellt auf Sektbasis wird es durch den Zusatz von essbarem Gold zu einem „aromatisierten Schaumweinhaltigen Getränk“. Der Markt sei ständig Bewegung. Somit müsse auch das Sortiment den exklusiven Bedürfnissen der Kunden angepasst werden, heißt es von Seiten der Kellerei. Allerdings ist die Flasche im Handel für unter zehn Euro zu haben. Es kann also nicht viel Gold drin sein. Und damit ist es mit der Exklusivität auch nicht weither.  Zur Qualität kann ich nichts sagen, ich werde sie auch nicht testen.

Franck Ribéry postete damals natürlich ein Foto seines Essens und wurde dafür von vielen Leuten kritisiert. Er antwortete mit nicht druckreifen Worten und wurde daraufhin von seinem Arbeitgeber mit einer hohen Geldstrafe belegt.

Es mag ja ein Zeichen von Freiheit sein, zu sich zu nehmen, was man will. Für mich ist das damals wie heute ein Zeichen von Dekadenz und Ignoranz. Ein Steak zu diesem Preis können sich nicht viele Menschen leisten – den Sekt allerdings schon. Für mich ist das genauso dekadent. Ein Goldtröpfchen aus Piesport ist ein Traum. Zugesetztes Gold im Sekt löst bei mir dagegen eher ein Trauma aus. Diese Freiheit braucht kein Mensch.

mosel@volksfreund.de