1. Meinung

Clemens Beckmann zum Thema Flutwein für die Ahr

Kolumne Auslese : Heiße Luft statt schneller Hilfe

Wenn mich jemand nach meinen einschneidensten Ereignissen der letzten Jahre fragt, kommen mir sofort zwei in den Sinn. Corona und die Flutkatastrophe im Ahrtal. Die Bilder und Berichte von der Ahr waren dabei noch etwas schockierender und wirken immer noch nach.

Auch mir war es ein Anliegen zu helfen. Ich habe Geld auf das vom Land eingerichtete Spendenkonto überwiesen, von dem die ganze Region profitieren soll. Ich habe mir darüber hinaus zwei Kartons Wein (Flutwein und gespendete Weine) bestellt. Der Erlös daraus soll den etwa 50 Weinbaubetrieben zugutekommen, die besonders viel Hab und Gut verloren haben und zum Teil in ihrer Existenz gefährdet sind. Wie ich haben es viele Menschen gemacht. Durch solche Aktionen und Aufrufe sind mehrere Millionen Euro zusammenkommen. Von bis zu sieben Millionen Euro ist die Rede.

Das Geld liegt auf einem Konto und harrt der Dinge, die da kommen.  Was ist bisher in dieser Hinsicht geschehen? Nichts! Die schnelle, unbürokratische Hilfe, die immer so gerne herausgestellt und gelobt wird, ist nur heiße Luft. Denn in Deutschland gilt die Regel: Wenn, wie in diesem Fall, ein extra gegründeter Verein das Geld verwaltet und an Betriebe auszahlen will, verliert er seine Gemeinnützigkeit. Das Finanzamt meldet sich bei ihm und bei den Empfängern. Das entsprechende Gesetz verlangt sogar eine Einzelfallprüfung durch das Finanzamt.

Vor einigen Wochen kam Bewegung ins Spiel. Bund und Länder hätten eine Lösung gefunden, schrieb Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) an Julia Klöckner, die da noch rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende war und interveniert hatte. Alles sei geregelt, hieß es.

Nichts ist geregelt, heißt es dagegen (Stand 17. Februar) von Seiten des Bauern- und Winzerverbandes Rheinlad-Nassau. Zumindest sei nichts bekannt. Man habe am 4. Februar beim Finanzministerium Rheinland-Pfalz nachgefragt, wie denn die Lösung aussehe. Eine Antwort gebe es bisher nicht. Selbst wenn ein paar Tage Karenzzeit einzuräumen sind, ist eine Antwort angesichts der bisher verplemperten Zeit und der Notlage vieler Winzer ein Gebot der Stunde. Die Weinbauern brauchen jetzt Hilfe, nicht erst nach einer vermutlich langwierigen Prüfung durch die Finanzbehörden.

Sieben Monate sind seit der Katastrophe vergangen. Unzählige Menschen haben Geld, Geräte, Verpflegung, Unterkünfte, ihre Arbeitskraft und anderes mehr zur Verfügung gestellt. Nur die Bürokratie spielt nicht mit. Der Begriff „Skandal“ ist da noch eine Untertreibung.

Solch eine Vorgehensweise wird auch noch eine andere Folge haben. Warum soll ich spenden, wenn das Geld nicht umgehend bei den Betroffenen ankommt, werden sich viele Leute fragen.


mosel@volksfreund.de