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Auslese
Der Hahn kräht, der neue Wein wartet

Ich habe diesen Herbst keinen geschmückten Erntewagen gesehen, mit dem Winzer das Ende der Weinlese signalisierten. Das will  nichts heißen. Ich weiß, dass manche Betriebe die Tradition hoch halten. Von Clemens Beckmann
Clemens Beckmann

Man muss nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um das zu sehen. Auch der Hahnenfang und die Hahnenfeier sind Begriffe. Früher wurde am letzten Tag der Weinernte am Ende der Rebenreihen ein Hahn angebunden. Wer als Erster mit seiner Reihe fertig war, erhielt den Hahn. Heute wäre solch eine Aktion wahrscheinlich nicht mehr möglich, aber so war der Brauch, den ich selbst nicht erlebt habe. Was ich noch weiß: Wir haben immer Kikeriki gerufen und zur Hahnenfeier gab es für jeden Erntehelfer ein halbes Hähnchen. Es gab auch den Brauch am Buß- und Bettag (kalter Mittwoch) den neuen Wein zu probieren. Es wäre schön, wenn daraus wieder ein kleines Fest würde. Im Moselort Brauneberg beispielsweise wird das seit einigen Jahren gemacht. Drei Keller, jeweils drei Weine und was Herzhaftes als Imbiss. So kann auch ein Novembertag schön enden.