1. Meinung

Der Solist bleibt in Erinnerung

Der Solist bleibt in Erinnerung

Neulich im Schalterraum der Sparkasse in Bernkastel-Kues: Zwei der besten Winzer der Region kreuzen meinen Weg. Sofort kommt das Gespräch auf die Weinprobe unter polizeilicher Aufsicht, an der ich teilgenommen und später im TV auch berichtet habe. Und da tritt ein Aspekt zutage, über den ich nicht geschrieben hatte, weil es bei meinem Selbsttest nicht darum ging, wofür speziell die Mosel steht.

Ich hatte damals nur lieblichen Wein getrunken, der kaum messbare Promillespuren hinterließ. Meiner Meinung liegen die Stärken des heimischen Rieslings ganz eindeutig auf der dieser Schiene, wobei mir der Begriff lieblich genauso wenig gefällt wie der Begriff süß. Gemeint sind die Kabinettweine und Spätlesen mit etwa acht Prozent Alkohol. Mit den sicherlich auch guten trockenen Weinen spielt die Mosel zwar im Konzert mit. Sie ist aber nur ein Teil des Orchesters. Richtig herauszuhören, um in der Musikersprache zu bleiben, ist das in einem großen Ensemble nicht.

Doch ein Orchester lebt auch von Solisten. Ihnen gelten, wenn sie gut sind, die Ovationen des Publikums. Sie bleiben wegen ihrer herausragenden Qualität in Erinnerung. Der Zuschauer greift für sie gerne tiefer in die Tasche. Zurück zum Wein: Solche alkoholarmen, gleichzeitig aber filigranen Weine wie im hiesigen Anbaugebiet gibt es nirgends. Es muss nur noch mehr bekannt werden, dass es nicht Trend sein muss trockenen Weiß- oder Rotwein zu trinken. Das gilt auch für die Berlinale, das große Filmfestival. Immerhin ist dort vor einigen Jahren erreicht worden, dass Stars und Sternchen nur deutsche Weine trinken. Doch die Winzer dürfen sich nur mit trockenen Weinen bewerben. Der Festivaldirektor soll ja ein Freund deutscher Weine sein. Vielleicht findet jemand den richtigen Draht zu ihm, um ihm auch die süßere Variante schmackhaft zu machen.