1. Meinung

Der Tatort-Wein schmeckt bitter

Der Tatort-Wein schmeckt bitter

Im Sommer fahren die Fernsehsender auf Sparflamme. Viele Wiederholungen stehen auf dem Programm. Schließlich haben die Ärzte von „In aller Freundschaft“ und die Tatort-Kommissare auch Urlaubsanspruch. Am Freitag vor einer Woche lief die Tatort-Wiederholung von „Bittere Trauben“.

Die erste Ausstrahlung im Jahr 2009 war an mir vorbeigegangen. Kurz zur Geschichte: Ein Weinkontrolleur wird erschossen. Vorher hatte er im fiktiven Ort Bernheim, am kleinen saarländischen Teil der Obermosel, Keller unter die Lupe genommen. Die Kommissare Kappl und Deininger beginnen ihre Ermittlungen am Abend des Weinfestes der Gemeinde. <EA>Ab da geht es drunter und drüber. Beide langen kräftig beim Wein zu. Kappl landet anschließend im Bett der frisch gekrönten Weinkönigin. Ins Visier der Ermittler rücken zwei Winzer. Der eine hat seinen Wein überschwefelt, der Sohn des anderen hat beim Abfüllen Essig in den Filter geschüttet. Dazu gesellt sich noch ein Paar, das eine Weinhandlung betreibt.

Die Frau hatte einmal ein Verhältnis mit einem der Winzer. Soll es alles schon gegeben haben, aber hier erschlägt einen die Aneinanderreihung von Absurditäten. Ich war immerhin froh, dass die Schauspieler wussten, wie man ein Weinglas anfasst: am Stiel und nicht am Kelch. Als wäre es nicht genug, reist auch noch Kappls Vater, gespielt von Liedermacher Konstantin Wecker, aus Bayern an. In den Räumen des Kommissariats kommen er und die Sekretärin sich näher. Bei einer Probe mit Weinen, die, so die Sekretärin, von einem Lastwagen gefallen sind. Fehlt nur noch, dass Alice Hoffmann, Hilde Nummer eins aus Familie Heinz Becker, und Wecker "O Mosella" anstimmen.

Zum Schluss sitzen die Kommissare über der idyllischen Saarschleife und erholen sich vom Stress an der Mosel. Wein habe ich während der 90 Minuten nicht getrunken. Ich glaube, der wäre sauer geworden. c.beckmann@volksfreund.de