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Die Freude ist nicht ungeteilt

Im Weinherbst 2017 wurden in Deutschland 7,5 Millionen Hektoliter geerntet, im zehnjährigen Mittel waren es 8,8 Millionen. 2018 werden es etwa 10,7 Millionen sein. Der Zuwachs zwischen 2017 und 2018 ist in den Anbaugebieten unterschiedlich.

Er reicht von fünf Prozent in Saale-Unstrut bis zu 64 Prozent am Mittelrhein – beides sehr kleine Gebiete. An der Mosel sind es nach Angaben des Deutschen Weininstitutes 36 Prozent. Von 754 000 geht es auf 1,028 Millionen Hektoliter. Da auch die Qualität sehr gut ist, müsste das Herz der Winzer eigentlich vor Freuden hüpfen.

Bei vielen wird das auch so sein. Ich habe aber gehört, dass es auch Winzer gibt, die Trauben am Stock hängen lassen müssen, weil sie sonst den Höchstertrag von 125 Hektolitern pro Hektar übertreffen. Es muss einem Winzer in der Seele weh tun, wenn er beste Trauben nicht ernten darf.

Es ist wahr: Je weniger Trauben an einer Rebe wachsen, desto besser ist die Qualität. Doch die betroffenen Winzer fragen sich, ob man die Übermenge nicht auf folgende Jahre und kleinere Ernten verteilen kann. In Baden ist der Höchstertrag sogar aktuell nach oben gesetzt worden. Er lag aber auch nur bei 90 Hektolitern (jetzt bei 100). Begründung: Man wolle einem guten Jahr keine Grenzen setzen.

In der Pfalz hat der Weinbauverband dagegen entschieden, dass ein Teil der Trauben nicht gekeltert werden soll, damit die Preise für Fasswein nicht über Jahre in den Keller gehen. Das ist ein Argument: Ich bin der Meinung: Den Flaschen-Selbstvermarktern sollte es erlaubt sein alles zu ernten. Jeder von ihnen ist seines Glückes Schmied. Ernte und Ausbau sind mit Kosten verbunden. Wer glaubt die Kundschaft für den Mehrertrag zu haben, soll die Trauben lesen dürfen statt sie hängenzulassen.

c.beckmann@volksfreund.de