1. Meinung

Ein fast perfektes Paar

Ein fast perfektes Paar

Das perfekte Paar. Dass es das tatsächlich gibt, daran hatte ich keine Zweifel, bis zu dem Tag, an dem ich an einem Seminar teilnahm, wo eine Master of Wine mich eines Besseren belehrte.

Diese Weinspezialistin, Mitglied des internationalen Institutes "Masters of Wine", in dem weltweit lediglich etwa 300 Fachleute vertreten sind, kredenzte jeweils zwei deutsche Topweine zu einer Speise und fragte nach jedem Gang: Welchen Wein fanden Sie am besten?

Ehrlich, ich habe selten so konzentriert gegessen und getrunken wie an diesem Nachmittag. Und das Ergebnis war nach jedem weggeräumten Teller verblüffend: Mal favorisierte eine Mehrheit den Wein, der mit dem Essen harmonierte, mal schmeckte ihr der Wein besser, der einen Kontrapunkt setzte, und mal stand es fifty-fifty. Ein einheitliches Stimmungsbild gab es jedoch nie. Eine Teilnehmerin hielt sogar ein starkes Plädoyer gegen einen trockenen Moselriesling, der zu gedünstetem Zackenbarsch ausgeschenkt wurde, weil sie ihn ganz und gar unpassend fand. Und was soll ich dazu sagen: Andere beurteilten gerade diesen Wein als perfekten Begleiter.

Dabei schien jeder Wein, egal ob rot oder weiß, trocken oder restsüß, seinen Charakter zu verändern, je nachdem, ob er solo oder zu den jeweiligen Gerichten getrunken wurde.

Allein die Weinexpertin schien sich nicht zu wundern und lächelte sogar, demonstrierte sie doch anschaulich: Das perfekte Paar gibt es nicht - zu unterschiedlich sind Weine, zu verschieden die Gaumen. Und darum bleiben Wein und Essen faszinierende Partner und auch in Zukunft ein spannendes Thema für Journalisten und Genießer.

Haben Sie Fragen oder Anregungen zur Weinkolumne? Dann schreiben Sie an: v.kerl@volksfreund.de