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Auslese
Ein Hilferuf ist manchmal nötig

FOTO: Schramm, Johannes / TV
Ich weiß nicht mehr genau, wann es war. Aber irgendwann ist es ruhig geworden um den Bau des Hochmoselübergangs zwischen Zeltingen-Rachtig und Ürzig. Zumindest ruhiger, als es noch zu Beginn der Arbeiten an dem gigantischen Bauwerk war. Nun ist er wieder etwas in den Vordergrund gerückt. Ein Winzer aus Zeltingen-Rachtig klagte beim Verwaltungsgericht, dass unterhalb der Brücke einer seiner Weinberge erfroren ist, weil nun mehr Kaltluft durch den Tunnel auf der Ürziger Seite ins Moseltal ziehe. Es gibt noch kein Urteil. Eine große Chance hat der Winzer offenbar nicht. Lassen wir das mal außer acht. Manch einer wird aber sowieso denken, dass der Gang vor das Gericht  Blödsinn ist, weil er keine Aussicht auf Erfolg hat. Meines Sympathie hat der Winzer. Wenn er davon überzeugt ist, dass sein Weinberg durch den Tunnel Schaden nimmt, muss er sich wehren und ein Zeichen setzen.

Das taten im Jahr 2009 auch schon einige der Top-Winzer der Mittelmosel mit der Unterstützung berühmter Weinjournalisten. Ihre Angst: Durch den Bau der Brücke beziehungsweise der über die Höhe führenden B 50 könnten ihre Weinberge von den dort verlaufenden Wasseradern  abgeschnitten werden. Es gab damals unter anderem eine Protestveranstaltung am zu dieser Zeit noch geplanten Brückenkopf hoch über Ürzig und ein „Last Chance Wine Forum“. Tenor damals: Es droht eine Entweihung der Kulturlandschaft. Die ganze Weinwelt solle aufschreien.

Ob es Auswirkungen auf den Wasserhaushalt gibt, werde sich erst in einigen Jahren zeigen, hat mir dieser Tage ein bekannter Winzer erzählt. Dass der Protest nichts genutzt hat, sieht jeder, der im Bereich Zeltingen-Rachtig und Ürzig unterwegs ist. Aber auch der Aufschrei dieser Winzer war berechtigt. Wenn es möglicherweise unverschuldet um die Existenz geht, muss man sich Gehör verschaffen!