1. Meinung

Kolumne Auslese: Eine viel zu teure Abwechslung

Kolumne Auslese : Eine viel zu teure Abwechslung

Immer nur Wein zu trinken, kann auch langweilig werden. Eine kleine Abwechslung kann nichts schaden. Ich stellte mir vor, dass ich an einem lauen Sommerabend auf der Terrasse eines Lokals sitze. Im Moment ist das ja nicht abwegig.

In solchen Momenten trinke ich auch mal gerne einen Aperol Spritz. Den gibt es ja auch überall. Ich stelle mir also vor, dass ich da zwei, drei Stunden sitze, möglicherweise noch einen schönen Blick und nette Leute neben mir habe. In zwei, drei Stunden drei Aperol Spritz zu trinken ist kein Problem. Schließlich schmelzen die Eiswürfel ziemlich schnell, und das Getränk wird warm und verwässert. Aber bleiben wir mal bei drei dieser Getränke von jeweils 0,2 Liter. Ich ordere die Rechnung, und wenige Augenblicke später sind mir der schöne Ausblick und die netten Leute neben mir egal: 22,50 Euro. Sie sagen, das gibt es nicht in einem ganz normalen Lokal. Gibt es doch – in einem Lokal an der Mosel. Ich war nicht dort, habe es aber auf der Karte gelesen. Und das hält mich auch davon ab, einen Fuß hinein zu setzen – egal, was andere Getränke und das Essen kosten.

22,50 Euro für drei Getränke, die aus Prosecco, einem Destillat aus Rhabarber, Chinarinde, Gelbem Enzian, Bitterorange und Kräutern sowie Eiswürfeln, Mineralwasser und Orangenscheiben bestehen. Ja geht´s noch?! Die 7,50 Euro sind der höchste Preis, den ich bisher gesehen habe – wohlgemerkt in der normalen Gastronomie. Ein Einzelfall ist das nicht. Für 7,10 Euro habe ich das Getränk auch schon gesehen, aber nicht bestellt.

Ich trinke Aperol Spritz gerne. Einen Peis von 4,50 Euro lasse ich mir auch gefallen. Da ist immer noch genug dran verdient. Aber ich frage mich auch, ob ich nicht doch lieber beim Wein bleiben soll. Für 22,50 Euro bekomme ich sogar in einem guten Lokal mehr als drei Gläser davon. Und da weiß, ich was ich habe.